Phideaux - AutoMoto Animus

Phideaux - AutoMoto Animus (Bloodfish/Just For Kicks; 03.07.2026)

Progressive Rock • Artpop • Psychedelic Rock • Artrock
(42:15; Vinyl, CD, Digital; Bloodfish/Just For Kicks; 03.07.2026)
Nach dem monumentalen „Infernal“, das für mich zu den Alben des Jahres 2018 gehörte, wäre es leicht gewesen, einfach den nächsten Prog-Koloss nachzuschieben. Zum Glück entscheidet sich Phideaux Xavier dagegen. „AutoMoto Animus“ ist kein zweites „Doomsday Afternoon“ und kein neues „Infernal“, sondern eine konsequente Weiterentwicklung.

Schon ‚Do What U Will‘ eröffnet überraschend eingängig zwischen Art Pop, Post Punk und einer spannenden Schnittmenge aus Depeche Mode, Årabrot und ELO. Eine Mischung, die auf dem Papier ungefähr so harmonisch klingt wie ein Familientreffen zwischen Synth-Pop, Avantgarde-Rock und klassischem Pop-Bombast – funktioniert hier aber erstaunlich selbstverständlich. Denn trotz aller stilistischen Ausflüge ist sofort klar: Das ist Phideaux Xavier. Sein charakteristischer Gesang und seine ganz eigene Atmosphäre lassen keinen Zweifel daran.

Überhaupt sind ELO und The Beatles auf dem gesamten Album immer wieder herauszuhören – in den Melodien, den Chören und der Liebe zum klassischen Songwriting. ‚Hey Humanity‘ ist ein regelrechter Ohrwurm mit wunderbar dosierten Streichern, während das düstere ‚Driving To Destruction‘ mit seiner nervösen Rhythmik und Anklängen an Bowie oder XTC perfekt zur gesellschaftskritischen Grundstimmung passt.

Denn statt fantastische Dystopien zu entwerfen, richtet Phideaux den Blick diesmal stärker auf die Realität. Umweltzerstörung, technologische Abhängigkeit und gesellschaftlicher Kontrollverlust wirken erschreckend gegenwärtig. Das Album ist moderner, düsterer und direkter als manche seiner Vorgänger, bleibt dabei aber erstaunlich zugänglich. Phideaux beherrscht weiterhin die seltene Kunst, komplexe Arrangements und vielschichtige Geschichten in Songs zu verpacken, die nicht verkopft, sondern melodisch und emotional funktionieren.

Zu den Höhepunkten zählt das brillant aufgebaute ‚Charlie Knew‘. Erstaunlich komplex für gerade einmal vier Minuten, mit Queen-esker Dynamik, feinen Saxofon-Akzenten und großartigen Streichern – während der Text über die Manson-Morde einen verstörenden Kontrast zur fast beschwingten Musik bildet. Das schwebende ‚Siren In The Storm‘ verbindet psychedelische Pink-Floyd-Atmosphäre mit Folk-Anleihen (die mich an Jethro Tull und sogar Blackmore’s Night erinnern), Akustikgitarren und Savannah Popes wunderbarem Gesang, bevor ‚Enigmatic Terminus‘ die düsteren Fäden des Albums wieder aufnimmt.

Und dann ist da noch ‚Legend Of Mary Jo‘. Vierzehn Minuten Phideaux, wie ich ihn liebe: abwechslungsreich, organisch und trotz aller Wendungen von einer wunderbaren Leichtigkeit getragen. Mellotron, barock anmutendes Klavier, dezente Saxofonfarben und psychedelische Beatles-Momente treffen auf die verspielte Eleganz von 10cc und die erzählerische Größe der Decemberists. Grandios.

Auch das stark KI-geprägte Artwork ist nicht unbedingt mein persönlicher Favorit. Thematisch passt diese künstliche Ästhetik zu einem Album über technologische Entfremdung allerdings erstaunlich gut.

Persönlich gefallen mir ältere Alben Phideauxs, wie „Infgernal“ oder „Doomsday Afternoon“ etwas besser. Aber hätte ich wirklich eine Kopie davon gewollt? Nein. Denn echte Progressivität bedeutet nicht Stillstand, sondern Veränderung. Genau deshalb ist „Automoto Animus“ kein Bruch, sondern ein weiterer überzeugender Beleg dafür, dass Phideaux Xavier auch nach über zwanzig Jahren zu den eigenständigsten Songwritern des Progressive Rock gehört.
Bewertung: 12/15 Punkten


Besetzung:
Phideaux Xavier – Vocals, Piano, Keyboards, Guitar, Bass
Joe Berardi – Drums
Dustin Boyer – Guitar, Synthesizer
Ariel Farber – Violin, Viola, Vocals
Mark Sherkus – Drums, Vocals
Vince Meghrouni – Organ, Mellotron
Fernando Perdomo – Guitar
Savannah Pope – Vocals
Kira Roessler – Bass

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Bad Dog Promotions zur Verfügung gestellt.