Onségen Ensemble - A Tale

Cinematic Progressive Rock
(42:19; Vinyl, CD, Digital; Karisma Records; 26.06.2026)
Mit einer sehr ausformulierten Produktion, dank Niko Lehdontie (u.a. Kairon; IRSE!, Grave Pleasures), bestreiten die Finnen zwar keine neuen Pfade, aber justieren auf „A Tale“ genau an den richtigen Stellen.

Man verfeinert mit orchestralen Schnipseln, Spaghetti-Western-/Morricone-Bombast und dreht einfach unglaublich viele subtile Schräubchen, die auf diesem fünften Studio-Album zu einen unheimlich fesselnden Verlauf führen.

Die richtige Schnittmenge aus instrumentalen, gar filmischen Versatzstücken, den kleinen liebevollen Verbeugungen an die frühen Meister des elegischen Prog Anfang der Seventies sind innerhalb der Regieführung perfekt in Szene gesetzt, und dass der Sound bzw. die Musiker handwerklich nichts anbrennen lassen, weiß man schon von vielen guten Vorgänger-Alben.

Gezielte Mellotron-artige Momente erzeugen Gänsehaut, die atmosphärisch schön in die Tiefe spielen – verschiedene Vocals, ob männlich/weiblich, dazu jederzeit Pink-Floyd-Phrasierungen – alles sehr verspielt, meist gepflegt zwischen langsam und vorsichtig rockigen Anwandlungen halten die Spannung ganz oben.

Der stets atmosphärische Umgang mit cineastisch aufgeladenen Melodien und Stimmungsbildern (man taucht inhaltlich in postapokalyptische Welten) geben dem Album seine Form, auf der die Musiker mit viel Dynamik, hier und da, dunklen, fast spirituellen Elementen sphärisch, hypnotisch und mit dieser oben genannten Elegie zu verzaubern wissen.

Auch die Finnen agieren oft mit mehrstimmigen Harmonien wie im weich vor sich hin träumenden ‚To Be Led By The Lost‘. Flöten und perlende Gitarren erzeugen immerzu sehr spezielle Momente zum hineintauchen. Camel, Anekdoten und die frühen King Crimson sind auch hier mehr als nur gelungene Referenz-Punkte, die aber den doch sehr eigenen Sound der Finnen nie ins Epigonenhafte verzerren.

Emotionale Vocals, eine stets dramatische Note im Sound, ohne zu sehr in Pathos oder gar ins Theatralische zu kippen, halten den progressiven, dunkel poetischen Ansatz durchgehend auf höchster Frequenz, sodass für Freunde des gepflegten, eher düsteren New Artrock hier über knapp 40 Minuten viele spannende Momente eingefahren werden dürfen.

‚A Thought‘ brilliert hintenraus mit viel Dynamik, sorgt man mit mäandernd fließender Rhythmik und geheimnisvollen, weiblichen Vocals für eine fast geisterhafte, surreale Optik – Paatos, Landberk und ähnliche Vertreter der Zunft fallen mir als wohlwollender Vergleich ein, und wieder freue ich mich, dass diese Art nordischen Artrocks einfach nie auszusterben droht.

Hier und da fallen mir zusätzlich bei all den Western-Elementen, der ausschweifend melancholischen Elegie, die zuletzt brillierenden Kwoon aus Frankreich ein, die ebenso mit diesen Widescreen-Prog-/Post-Gebilden eine sehr spezielle, bildhafte Aura in sich trugen (‚The Word‘). Wundervolle Chöre, hoch melodisch-psychedelische Grooves im The-Amazing-Style, teils mit gehörigem, nordischem Pathos aufgeladen (‚Oldest Father‘) – in diesem Sog, Teppich von Sound verliere ich mich allzu gerne. Top Album, gerade für die Abendstunden.
Bewertung: 13/15 Punkten


Besetzung:
Heikki Hallanoro – percussions
Tuuli Jartti – violin
Merja Järvelin – backing vocals, art work
Esa Juujärvi – bass, vocals, recording and co-production
Samuli Lindberg – drums
Joni Mäkelä – guitar
Vilma Pesola – vocals
Mikko Vuorela – flute, harmonica, soundscapes
Jarmo Väärä – trumpet

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Abbildungen: Onségen Ensemble/Bandcamp