King Of Sweden - Interregnum
Retro Prog • Heavy Artrock
(40:47; CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 29.05.2026)
Für die Freunde des wilden Retro Prog aus Skandinavien: es gibt neues und weiteres Ohrenfutter, nur diesmal aus dem schönen Finnland. Orchestrale Synths, verrückte Gitarren-Abfahrten und mehrstimmiger Gesang. Geht schon mal richtig gut los im neunminütigen ‚Movie Night‘: treibender Rock-Sound, oldschoolige Sound-Effekte, fast Filmmusik-artige Melodien, alles sehr bunt und abgefahren, aber maximal melodiös und spannend inszeniert.
Das eher kurze ‚Breath‘ ist dann wunderschöner Folk’n’Prog. Sanft wie frühe Camel, Van der Graaf Generator, Anekdoten oder lyrische King Crimson, finden sich tolle Bassläufe, schwebende Akustik-Gitarren, sehnsüchtige Vocals und spacig-kosmische Synths zusammen und, so hätte es meinetwegen gerne doppelt so lange treiben dürfen.
‚Father Of Soup‘ schaut dann auch tief in die Nostalgie-Box, groovt geisterhaft und kreativ durch den niemals endenden Irrgarten des Progressive-Rock-Genres. Mit gutem Sound gibt es hier vertrackte Parts, alles etwas schräger, vor allem im Gesang, aber auch hier gilt es, den Pfad des melodischen Retro Prog stetig wieder aufzunehmen. Sanfte Folk-Parts folgen auch hier, etwas frühe Genesis, aber auch freakige Elemente aus dem Tusmørke-Universum finde ich im Sound wieder. Dieses Wechselspiel aus abgefahren und melodiös gelingt den Finnen hervorragend, es wirft kein Meisterwerk ab, macht aber dank der Ideenfreude einfach Spaß beim Hören.
Mit knapp 20 Minuten gibt es im furiosen Finale ‚Recursion‘ alles, was das Proggerherz verlangt. Wilde instrumentale Abfahrten, sphärische, dem Post Rock nahestehende Gitarren und orchestrale, sanftmütige, sehr berührende Folk-Parts. In diesen schwebenden Parts sind die Finnen richtig groß, und da hätte man manchmal den Traum für ein paar Minuten länger und ausufernder weiter spinnen können.
Die vier Songs in 40 Minuten machen insgesamt viel Freude, der Bass vibriert und summt verträumt durch jeden Song, die Vokal-Phrasierungen pendeln zwischen hoch melodiös und manchmal etwas gewöhnungsbedürftig. „Interregnum“ ist ein liebevolles Retro-Prog Werk, welches manchen Vintage-Fan genauso abholen sollte, wie den Freund moderner Vertreter wie Motorpsycho (Mensch, so jung sind die doch nicht mehr!).
Bewertung: 11/15 Punkten
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Abbildungen: King Of Sweden/Bandcamp
