Avenged Sevenfold - Statica (EP)

Electronic • Art Pop • Experimental Rock
(18:07; Digital; Eigenveröffentlichung; 23.07.2026)
Avenged Sevenfold haben sich spätestens seit „Life Is But A Dream…“ daran gewöhnt, einen Teil ihrer Anhängerschaft vor den Kopf zu stoßen. Mit der ohne Vorankündigung veröffentlichten EP „Statica“ gehen die Kalifornier allerdings nicht einfach den nächsten Schritt – sie biegen irgendwo hinter der nächsten Galaxie links ab und vergessen unterwegs gleich noch, dass sie überhaupt einmal eine Metalband waren.
Hätte diese vier Songs nicht der Name Avenged Sevenfold geziert, vermutlich wäre niemand auf die Idee gekommen, sie mit den US-Amerikanern in Verbindung zu bringen. Statt Riffs dominieren Synthesizer, Elektronik und futuristische Klangflächen, die eher an Daft Punk oder den Größenwahn eines Kanye West erinnern als an modernen Metal. Dazu kommt eine durchgehend mit Auto-Tune und Vocoder bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Stimme von M. Shadows, die weniger stilistisches Mittel als permanenter Belastungstest für die Geduld des Hörers ist.
Zugegeben: Völlig reizlos ist das alles nicht. „Ashes“ entwickelt mit seinem hypnotischen Drumming und den verfremdeten Gitarren eine eigentümliche Sogwirkung, „Rejoice“ bleibt mit seinen schrägen Hooks erstaunlich hartnäckig im Gedächtnis. Doch genau darin liegt auch das Problem. Oft wirken die Ideen interessanter als die Songs selbst. Vieles klingt wie ein spannender Entwurf, der nie den Weg zu einer wirklich ausgereiften Komposition gefunden hat. Aus interessanten Ideen entstehen schließlich nicht automatisch gute Songs. Genau daran scheitert „Statica“ immer wieder: Die vier Stücke wirken wie Skizzen futuristischer Klangexperimente, denen die entscheidende Vision fehlt, die aus einem spannenden Ansatz ein überzeugendes Lied macht.
Als neues Werk von Avenged Sevenfold will ich „Statica“ deshalb kaum ernst nehmen. Als Debüt eines eigenständigen Projekts gleichen Namens – ein Eindruck, den die aktuellen „Statica“-Vorbandauftritte bereits nahelegen – ergibt die Veröffentlichung deutlich mehr Sinn. Dazu passt, dass auf der offiziellen Homepage von Avenged Sevenfold bereits das Debütalbum von Statica angekündigt wird. Dieses soll neben den vier hier versammelten Songs zwei weitere Stücke enthalten und unterstreicht damit, dass hier offenbar ein eigenständiges Projekt entsteht. Progressive Musik lebt schließlich davon, Grenzen zu verschieben. Nur ersetzt Experimentierfreude allein noch keine packenden Songs.
„Statica“ ist zweifellos mutig, ungewöhnlich und konsequent. Doch zwischen futuristischem Klangdesign und wirklich packender Musik liegt ein großer Unterschied. Avenged Sevenfold zeigen hier vor allem, was sie alles ausprobieren können – weniger, warum man sich diese Songs tatsächlich häufiger anhören möchte. Ein interessantes Kuriosum, aber letztlich eine Veröffentlichung, die eher Respekt für den Mut als Begeisterung für die Musik hervorruft.
Bewertung: 6/15 Punkten
Besetzung:
M. Shadows
Zacky Vengeance
Synyster Gates
Johnny Christ
Brooks Wackerman
Surftipps:
• Homepage
• Linktree
• Bandcamp
• YouTube
• Wikipedia
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Abbildungen: Avenged Sevenfold