Oh Hiroshima - And The Dead Tree Gives No Shelter
Post Rock
(46:44; Vinyl, CD, Digital; Pelagic Records; 05.06.2026)
Der tote Baum dient auf diesem Album als Metapher für Lebensweisen, die der Welt ihren Sinn rauben und keinen Ausweg aus den Härten des Lebens bieten. Wir leben in einer Zeit, in der es immer schwieriger wird, sich eine positive Zukunft vorzustellen. Das hinterlässt bei vielen von uns ein tiefes Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das leicht Zynismus und Apathie nährt. In diesem Zustand ist es leicht, sich von der Welt abzuschotten und jeden Versuch einer sinnvollen Auseinandersetzung mit unserer Umwelt aufzugeben. Ein Teufelskreis entsteht, denn wir haben keine Möglichkeit mehr, uns vor unserer anfänglichen Verzweiflung über den Zustand der Dinge zu schützen. Doch diese Lieder wollen auch etwas Sinnvolles und Hoffnungsvolles zeichnen. Eine Form der Idealisierung, die nicht auf Naivität, sondern auf Realismus beruht, denn wir brauchen Ideale, um die Kraft zu schöpfen, die schutzlosen, toten Bäume unseres Lebens hinter uns zu lassen.
Mit diesen aus T.S Eliots Gedicht „The Waste Land“ entnommenen Inspirationen schickt die Formation den spirituellen Input/Weg zur neuen Platte voraus. Wer den schweren Sound von Oh Hiroshima zwischen Post und Progressive kennt, wird mit dem neuen Album viele wunderbare Momente entdecken.
Es ist nur wenige Tage her, dass ich das schwedische Package live in Leipzig erleben durfte – die Balance aus Kraft, Eleganz, Bühnenlicht, Melancholie und Aufbruchsstimmung komplett in mich aufsaugend. Auch wenn die Band perfekt ins Raster von Pelagic passt, hat ihr Sound am Ende doch einen ganz eigenen Tune. Der klare Gesang und die schleppend-majestätische Opulenz finden in Verbindung mit atmosphärischen wie progressiven Nuancen ihre komplett eigene Vision. Kein hohes Tempo, keine komplette Slow Mo – eher wogen die schwermütig-kraftvolle Rhythmik und die Stimmungen ähnlich der Briten von Crippled Black Phoenix: voller Emotionen, latent bedrohlicher Schwere, Leidenschaft, Atmosphäre und dieser gewissen Tragik in den Melodien.
‚Angelos‘ oder der Abschluss ‚Exit Cloud‘ sind perfekte Exemplare dieses dramatischen Nischensounds – Streicher, sanfte cleane Vocals und eine Heavyness, die sich zum Glück nie in stereotypen Post-Metal-Gefilden verliert. Es wäre einfach, im Bollwerk des massiven Fundaments Growls oder generell aggressive Vocals zu nutzen, aber eben gerade die weichen Vocals und gelegentliche Ausflüge ins Rockige geben den Schweden diesen melancholischen, meist driftenden Ausdruck. ‚Meridian‘ arbeitet mit einer unruhig-progressiven Tendenz in den Grooves, vorsichtig verschachtelt, aber immer der düsteren Atmosphäre verpflichtet, welche dunkle Stimmungsbilder und melancholische Melodik jederzeit im Fokus hat.
Die Klanglandschaften leben nie von der großen Leise-Laut-Dynamik, sondern arbeiten stets mit subtilen Nuancen – Details, kleine Gimmicks wie orchestrale Elemente, Powerchords im richtigen Moment, wo es gilt, dynamische Schichten zu stapeln, dazu emotional verwaschene Shoegaze-Blaupausen. Es ist die Stärke der Schweden, nicht den großen Song zu schreiben, sondern mit dichter Inszenierung, durchgehend dramatischen Kompositionen durch diese unsichere Zeit zu musizieren, Licht anzudeuten, wo viel Dunkelheit darauf wartet, dich tief hinab zu reißen.
Bewertung: 13/15 Punkten
Besetzung:
• Jakob Hemström – Guitar, Bass and Vocals
• Oskar Nilsson – Drums and Percussion
Gastmusiker:
• Jarl Furingsten – Piano/Guitars/Church organ
• Joakim Liebgott – Vocals
• Kristian Karlsson – Synthesizers
• Antoni Yammin – Double bass
• Anders Hemström – Trumpet
• Arvid Ageborg – Trombone
• Ellen Vingren – Vocals
• Hanna Ekström – Violin
• Ellen Hemström -Cello
• Samuel Muntlin – Saxophone
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Hold Night PR zur Verfügung gestellt.
