Harboured - We're Only The Love That We Lead


Post Rock • Extreme Metal
(45:07; Digital; Lost Future Records; 29.05.2026)
Michael Stancel und Brandon Michael, beide Allaegeon, ergänzt um Cierra White (Oak, Ash and Thorn), schraubten in diesem gemeinsamen Projekt für Freunde verschiedener Stilistiken ein heißes Eisen zusammen.

Von eingängigem Alternative Rock, Blackgaze, Sludge, Folk bis extremen Post Metal gibt es kein Halten und das energetische Level dieser Rille ist permanent auf Anschlag.

Viel Atmosphäre, cleane Passagen, mitreißende Melodien und ständige Sprünge von Heiß in Kalt müssen eingeplant werden. Ob nun Loops, düstere Drones als Intro, Samples, alles geht und es fügt sich in dieses bizarre Puzzle meist nahtlos ein.

Wenn in ‚Dead Ringer‘ Tremolo-Gitarren, aggressiver Post Black Metal und sanfter, fragiler Gesang, aber auch wildes Geshoute aufeinandertreffen, schafft dies zwar im ersten Moment Verwirrung, gar Verzückung, findet aber nach mehrmaligen Hördurchgängen zu einem Bild zusammen.

.

Die Intensität, die Sprünge innerhalb der Songs erfolgen meist schlüssig, brechen aber manch tolle Melodie mit kurzzeitiger Aggression zu schnell auf, als dass man als Hörer mal ordentlich in die Tiefe fühlen kann. Für Post-Prog-Nischen-Freunde mit Hang zum emotional düsteren sind Harboured grundsätzlich ein spannender Quickie. Die Produktion ist tight, warm und organisch und die immer passend platzierten melancholischen Clean Vocals setzen Ausrufe-Momente wie im wunderschönen ‚End Credits‘.

‚Sevin‘ schleppt sich mit apokalyptischen Synths und grollendem Bass durch ein Minenfeld – schleifende, aber auch perlende Gitarrenriffs erzeugen einiges an Stimmung. Der harsche Gesang wird Freunden des klassischen Pelagic-Sounds einige Deja Vus verpassen. ‚Guardrail‘ ist ein perfektes Beispiel für die extremen Kontraste, driften sensible Postrock-Akkorde und sanfte Vocals, ähnlich meiner Lieblinge von Holy Fawn vorsichtig hinein, preschen dann mit progressiv-aggressiven Elementen schlussendlich durch die Decke.

Immer wieder nutzt die Band triste Drones als Intro, bevor der Sound sich auffächert und die vielen verschiedenen Kammern geöffnet werden. Ich bin kein Fan vom typisch harschen Post Metal-Gesang, sonst wäre meine Bewertung wohl höher ausgefallen. Spannend ist dieses Album in jedem Falle, voller Kontraste, Leidenschaft und Energie. Viele alternative Rock-Elemente wie in ‚Debts‘ kombinierenen Uptempo-Parts – dem Post Hardcore nahe – mit ausladend emotionalen Prog Metal-Passagen. Klingt wirr, ist es aber nicht und gibt der Band dieses individuelle Sound-Bild. Brüchig, verletzlich klingt das leise ‚Halifax‘ – hier macht sich der emotionale, sehr verletzliche Gesang wieder hervorragend im Gesamtbild.

Mit etwas mehr Ausdauer und weniger Wahnwitz hätte ich noch mehr in die Atmosphäre kriechen können, so bleibt das unruhige Gewässer dank der aufgekratzten Metal-Passagen oftmals zu brüchig. Insgesamt passiert wahnsinnig viel, tolle Melodien, mit viel Emotion aufgeladen, aber ein wenig mehr Sprünge hätten mir an mancher Stelle ganz gut getan.
Bewertung: 11/15 Punkten


Besetzung:
Michael Stancel – Guitars, Synths and Vocals
Brandon Michael – Bass
Cierra White – Drums

Surftipps:
Linktree
Bandcamp
YouTube

Abbildungen: Harboured/Bandcamp