DØDSEGO - Reisen Vol. 1 - Beyond The Void


Nordic Progressive Rock
(51:05; Digital; Eigenveröffentlichung; 27.02.2026)
Norwegischer Progressive Rock, muss ich dazu noch was sagen? Verrückt, verspielt, atmosphärisch, bekloppt, melancholisch, leise, laut, provokant, unkonventionell, hyperaktiv und so vieles mehr. Songs bis zu vierzehn Minuten, lyrisch sanft bis jazzy herausfordernd. Macht mir wie immer richtig Spaß, hier zuzuhören, es passiert einfach ständig irgendwas.

Posaune, Saxophon, Bläser oder zumindest ähnliches in der Art bekommt Platz auf der Platte, viele Räume in der Stille, aber natürlich darf der Spielplatz in Sachen progressiver Länge nie ungenutzt bleiben und es wird bis an den letzten Rand der Möglichkeiten erkundet.

‚The Great Escape‘ loopt mit Bläsern, kosmischem Freak Out gemächlich hinein ins Geschehen, lässt sich Zeit, den Hörer dabei zu beobachten, was es mit ihm anstellt. Irgendwann bricht es auf, hymnisch, Retro-affin, Chöre, die mit gehörig Lust auf mehr Stimmungen erzeugen. Seltsame Metal-Phrasierungen, etwas Jazz, Space Rock…wieso eigentlich nicht? Wenn schon, denn schon, dann einfach quer durch den Gemüsegarten, jetzt ist auch egal. ‚Tangerine Dream, Part 1`, etwas Motorpsycho, Sykofant, schräge King Crimson, der übliche Wahnsinn aus dem hohen Norden, garniert mit wilden Bläsern und mehrstimmigen Vocals.

Bringt Laune, ist immer nen Hauch schräg, weiß aber die Melodien und Strukturen jederzeit mitzunehmen. Treibend melodisch fließende Parts, geheimnisvoller Gesang im späteren Verlauf, Retro-Riffs, Herz was willst du mehr? Wie schönste Camel fädelt der Song dann langsam raus, grandios.

‚Into The Void‘ brilliert dann mit sinistren, ätherischen Nordic Folk-Klängen. Akustische Gitarren, Streicher und richtig viel dunkle moosige Nacht-Atmosphäre. Mystisch steigt auch ‚Tangerine Dream, Part 2‘ ein – ein Hauch von Gesang, lyrische Entrücktheit – einfach nur wunderschön. Irgendwann bricht die Kulisse dann kurzzeitig auseinander, es rockt und wahnwitzt für Minuten, ohne zu sehr ins Dissonante zu kippen.

Projekte wie Full Earth und besagte Motorpsycho in ihrer progressiven Experimentierfreude dürfen gern als Referenz-Punkte notiert werden. Mit fast einer Viertelstunde weiß ‚S.O.D.A.‘ alle Register zu ziehen, groovt gehörig und packt an Abfahrten alles rein, was nicht rechtzeitig festgezogen wurde. Halleluja und mit dem abschließenden, zwischen kammermusikalisch und wilden Space Rock agierenden ‚…And Beyond‘ gibt es nochmal ordentlich Kreativität und stimmungsvolle Melodien. Ein durchgehend spannendes, offenes, jederzeit melodiös-atmosphärisches Release. Schön, dass ich darüber gestolpert bin
Bewertung: 13/15 Punkten


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Abbildungen: DØDSEGO/Bandcamp