A.A. Williams - Solstice


Atmospheric Doom Rock • Goth Pop • Post Rock •
(58:23; Vinyl, CD, Digital; Reigning Phoenix Music; 05.06.2026)
Es gibt diese Acts, bei denen fast jeder neue Longplayer ein verdammter Selbstläufer ist. Die Britin A.A. Williams – gerade wieder in Berlin live erlebt – ist mit ihrem schleppenden Noir/Goth-Rock seit Jahren auf intensive Gänsehaut-Momente spezialisiert.

In ihren Songs benötigt die moderne Goth Queen einfach nicht viele Zutaten, schafft allein mit malerisch ausladenden Postrock-Gitarren, ihrer immer mit einem Hauch Verzweiflung agierenden Stimme, den nächtlich stimmungsvollen Klangfarben diesen umarmenden Hauch von Hoffnung und Schmerz, Schönheit und Abgrund und all das macht sie ohne spürbare Einflüsse anderer Künstler.

Das Lautmalerische, das in die Fülle Spielende, von gehauchten Vocals, leisen Piano-Anschlägen, in die schwärzeste Nacht musizierende durchdringt jede Pore. Ich liebe diesen tristen, langsam berstenden Sound – wahlweise umso intensiver in der richtigen Abendstimmung.

‚Wolves‘ war bereits im Vorfeld ein feiner eingängiger Appetizer, zeigte auf, dass man den eingeschlagenen Weg konsequent weiter verfolgt: nämlich unheilvoll, melodiös, langsam, schwer, dramatisch und majestätisch bis das letzte Rest von Licht verglüht ist. Im Opener ‚Poison‘ umarmt Dich der weit auffächernde Flügelschlag des Refrains nach trockenen Riffs in den Strophen auf pechschwarze Weise – im Bett des weichen, dichten und warmen Sounds liegt es sich letztlich hervorragend. Der Blick zum aschfahlen Glanz des Mondes ist im Klangbild der Musikerin automatisch inklusive.

‚Little By Little‘ bringt den Hörer nah an die Stimme der Sängerin, schenkt uns das diesmal sehr klare, um einiges mehr auf den Punkt produzierte mehr an Transparenz und Qualität, wissen die feinen hintergründig elektronischen Sound-Spuren die nötigen Kanten atmosphärisch zu verdichten. Schön wenn später wie aus dem Nichts eine voluminöse Wand aus Gitarren über dem Hörer einbricht, um das epische Finale einzuläuten.

Das dunkle, immer etwas Erzählerische der Chanteuse spielt mit Elementen des Goth, Noir Pop und macht doch am Ende ihre ganz eigene abgründig verletzliche Nische auf, in der sie perfekt zwischen all die anderen relevanten Female-Artists passt, die ebenfalls gerne im Dämmerlicht musizieren. ‚I’ve Seen Enough‘ rührt zu Tränen und braucht dazu nur minimale Rhythmik, diese schmerzlich schönen Streicher und ein Füllhorn an Trauer.

‚Hold It Together‘ startet sanft, ätherisch und introspektiv wie die stillste mitternächtliche Stunde. Dunkle Romantik, Innenschau, Verletzlichkeit und dazu passt am Ende jeder Tune. Ich möchte hier nichts Schnelles, gar Rockiges hören – die Melange aus Piano-Balladen, die sich gerne in einer berstenden Wall of Sound wieder kathartisch aufbrechen, beherrscht die Londonerin wie auf magische Weise. Auch hier gibt es diese pastoralen Akkorde, die langsam aber stetig ins Nirgendwo marschieren – Gänsehaut pur!

Geisterhaft, entrückt, sensitiv und aufbegehrend weiß mich „Solstice“ vollumfänglich zu umarmen, zu berühren, wahlweise einzufrieren und gehört jetzt schon zu einem der schönsten Alben des Jahres 2026. Großartige, im Detail spürbare Weiterentwicklung und im richtigen Moment die perfekte Untermalung.
Bewertung: 14/15 Punkten


Besetzung:
A.A. Williams – lead vocals, piano, electric guitar, cello
Matt de Burgh Daly – electric guitar, electric bass guitar, drums, additional guitar
Wayne Proctor – drums

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Mona Miluski/ALL NOIR zur Verfügung gestellt.