s475e - 12,21


Ambient • Elektronische Musik
(37:39; CD, Digital; Eigenproduktion; 01.05.2026)
Sehr mysteriös, diese Namen. Was verbirgt sich wohl hinter „s475e“, und was soll uns „12,21“ sagen? Auf diesen Seiten ist dieser Name durchaus schon mal aufgetaucht. Für den Albumtitel findet sich eine einleuchtende Erklärung dahingehend, dass man dies als sogenannte Spiegeluhrzeit verstehen kann. Dies sind Uhrzeiten, bei denen sich die Ziffern der Stunden und Minuten an dem trennenden Doppelpunkt schließen, und dazu gehört eben auch 12:21. Vielleicht war der Protagonist aber auch ein Tischtennisspieler, der sein wichtigstes Spiel im Entscheidungssatz 12:21 verloren hat (muss dann aber schon einige Jahre her sein bei dieser Zählweise) und dann seine Karriere sofort beendete, um sich seinem anderen großen Hobby, der Musik, zuzuwenden. Gegen beide Vermutungen spricht jedoch, dass hier kein Doppelpunkt steht, sondern ein Komma. Eine etwas ernsthaftere Interpretation sieht dies als ein Zeichen für anstehende Veränderungen bzw. neue Lebenswege, die man geht, oder auch als Hinweis, dass man positiv denken und sich selbst vertrauen und Wandel aktiv gestalten soll. Nehmen wir doch einfach Letzteres, das klingt doch schön.

Und was ist nun s475e? Sorry, da klingelt nichts, keine Idee. Aber die Frage, wer denn nun s475e ist, lässt sich leicht beantworten, das findet sich auch in der oben erwähnten Rezension. Denn hinter diesem Namen verbirgt sich (nach wie vor) der Soundtüftler Darius Speier, der nach dem vielversprechenden EP-Debüt nun mit „12, 21“ sein erstes Vollzeitalbum veröffentlicht, das auch in CD-Format erhältlich ist. Er hat das Album im Alleingang eingespielt und sämtliche Titel selbst komponiert, arrangiert, aufgenommen, produziert und abgemischt. Der Begriff Soundtüftler trifft zwar zu, sollte aber nicht dahingehend in die Irre führen, dass man hier hauptsächlich abstrakte Klanglandschaften, in denen es im Wesentlichen nur um die Sounds geht, erwartet.

Im Gegenteil, hier sind sehr viele schöne Melodien zu finden. Das gilt auch gleich für die ersten beiden Tracks, die sehr gut ins Ohr gehen und geschmackvolle Arrangements aufbieten können. Das hat gelegentlich etwas Majestätisches wie es Großmeister Vangelis schon mustergültig präsentiert hat. Diese beinahe orchestrale, klassische Elektronische Musik ist eine wesentliche Facette des Künstlers, der aber ebenso Ambient-Nummern oder Soundtrackartiges wie das abschließende ‚Memories Of Last Days‘ im Programm hat.

Die digitale Version auf bandcamp enthält als zusätzlichen neunten Track ‚Samples Of All Tracks‘, alle Titel werden in 37-Sekunden-Fassungen aneinandergehängt. Der Fan der melodischen Elektronische Musik wird hier bestens bedient – schade nur, dass das Album schon nach weniger als 38 Minuten zu Ende gegangen ist. Eine Steigerung zum EP-Debüt ist erkennbar (auch wenn die Punktzahl die gleiche ist, aber die Tendenz geht hier dann eher zur 12).
Bewertung: 11/15 Punkten


Besetzung:
Darius Speier – all instruments

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Abbildungen: s475e