Reinhard Lakomy - Palastkonzert
Elektronische Musik
(56:32; CD, digital, Vinyl; Lacky Musik / Mosaik Music Promotion; 10.04.2026)
Zu den bekanntesten Musikern der ehemaligen DDR ist Reinhard Lakomy zu zählen, der in seinem musikalischen Schaffen ausgesprochen vielseitig unterwegs war. Der gebürtige Magdeburger wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden, er verstarb am 23.3.2013 in Berlin. Der Pianist, Sänger, Komponist und Arrangeur war zunächst im Schlagergeschäft unterwegs, später dann in den Bereichen Rock, Jazz, Musical und schließlich auch in der Elektronischen Musik. Er heimste viele Preise ein, es sind sogar Straßen und Schulen nach ihm benannt.
Nachhaltigen Bekanntheitsgrad erhielt er schließlich durch sein zusammen mit seiner Frau Monika Ehrhardt Lakomy erarbeitetes Kinder-Musical „Der Traumzauberbaum“. Kurz darauf, Anfang der 80er, startete er damit, Alben mit Elektronischer Musik aufzunehmen wie z.B. „Das geheime Leben“ oder „Der Traum von Asgard“. Seinerzeit ist das alles auf dem legendären AMIGA-Label erschienen. Sein Werk „Aër“ erschien 1991 dann auf dem auf innovative Elektronik Musik spezialisierten Erdenklang Label. Später sollten noch zwischen diversen weiteren Musik-Hörspielen vereinzelte EM-Alben folgen, zuletzt auf dem Lacky Music Label posthum das Album „Zwischen der Stille“.
Denkt man an Elektronische Musik aus der DDR, fallen zunächst Pond oder Servi ein, aber gerade Lakomy war ein Wegbereiter des Genres. Häufige Treffen mit EM-Pionier Edgar Froese hatten die Neugier des Protagonisten für die Elektronische Musik geweckt. Wobei er betonte, dass er keine Elektronische Musik mache, sondern „Musik mit elektronischen Mitteln“. Für ihn lag der Schwerpunkt nicht auf der Elektronik, sondern immer auf der Musik. Er hatte sein eigenes Studio aufgebaut, in dem er sich auch mit anderen Komponisten und Wissenschaftlern traf, um neue Möglichkeiten der Erzeugung elektronischer Klänge zu erforschen, inklusive der Entwicklung von Sequenzern und Programmiermodulen für Synthesizer.
Lakomy war mitverantwortlich dafür, dass Tangerine Dream 1980 das erste Konzert einer westdeutschen Band in der DDR spielte. Dies weckte das Interesse an Elektronischer Musik, und so war er mit dem 1981 erschienenen „Das geheime Leben“ einer der Vorreiter der EM-Szene in der DDR. Der vorliegende Live Mitschnitt stammt aus einem Konzert am 26. Mai 1983 im Großen Saal des „Palast der Republik“. Also genau dort, wo zuvor Tangerine Dream gespielt hatten.
Es sind gerade mal zwei Tracks zu hören, beide deutlich jenseits der 20-Minuten Marke. Auf dem zweiten Titel ist neben den vielen Tasteninstrumenten auch ein Saxofon zu hören, das prima in den Gesamtsound integriert wird. Gespielt wird es von Andreas Bicking, der unter anderem auch einige Jahre in der Stern-Combo Meißen Band spielte (zu deren 80er-Pop-Phase, als das „Combo“ aus dem Namen gestrichen war).
Die Musik ist durchaus abwechslungsreich gestaltet, das ist Berliner Schule inspirierte EM, mal experimentell, mal eher ruhig und melodisch, dann wieder flott und auch mal mit leichten Jazz Ansätzen. Selbst Mellotronsound ist mal zu hören. Seinerzeit war dies sicherlich ein ziemlich neuartiger Ansatz.
Für Fans der Elektronik-Phase des Reinhard Lakomy sicherlich eine bereichernde Ergänzung, und auch für den EM-Fan im Allgemeinen ein interessantes Live Dokument.
Bewertung: 10/15 Punkten
Tracklist:
- LP-Version:
- Am Anfang (23:37)
- Solitaire (24:05)
- CD Version:
- Am Anfang (27:23)
- Solitaire (29:09)
Besetzung:
• Reinhard Lakomy – keyboards / synthesizers
• Andreas Bicking – keyboards / saxophone
Surftipps:
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• Discogs
Abbildungen: Mosaik Music Promotion