Paravane - Forever Is A Long Time Ago
Progressive Rock
(48:32; CD, Digital; Eigenveröffentlichung/Just For Kicks Music; 01.10.2025)
Es war einmal … so fangen die meisten Geschichten an. Auch die der Band Paravane. Also: Es war einmal in den Niederlanden, genauer gesagt in Arnhem. Dort gab es seit 1995 eine Band mit dem Namen Nice Beaver. Die spielten drei Alben ein: „On Dry Land“ (2001), „Oregon“ (2004) und „The Time It Takes“ (2015). Dann war abrupt Schluss: Wechsel am Bass, Pause, später wieder Aktivität. Doch jetzt endlich ein Lebenszeichen unter neuem Namen: Paravane.
In einem schönen Digipack erscheint die CD mit kompletten Texten und sonstigen Erläuterungen – dafür ein dickes Lob. Die Äußerlichkeiten sind somit schon gelungen, die inneren Werte müssen das noch beweisen. Die Niederländer sehen sich selbst in der progressiven Rockecke, und wenn man heutzutage viele Bands so hört, die sich eben dort sehen, edann haben sie auch Recht. Für alte Proghörer aus den 70ern ist das dann doch leicht übertrieben.
Natürlich ist das hier nicht für die Hitparaden dieser Welt eingespielt worden. Schwer zu erobern ist die Aufnahme aber auch nicht – nach zwei oder drei Durchgängen hängt vieles bereits fest im Ohr. Besonders, da man teils allerlei andere Bands heraushört. So hätte etwa ein Track wie ‚That Girl‘ mit seinem sehr einschmeichelnden Refrain auch auf einem Saga-Album erscheinen können. Das ruhigere ‚And I Love You‘ könnte von Lee Abraham stammen. Andere Songs klingen ähnlich wie Marillion (man höre nur ‚Miserable With You‘), Red Bazar oder Anubis. Nun denn – es gibt unzählige Bands, die in diesen Gewässern fischen. Damit will ich aber nicht die Qualität des Albums schmälern, da die Band trotz mancher Vergleiche immer noch genügend Authentizität bewahrt.
Kompositorisch geht man also mehr oder weniger auf Nummer sicher, gesanglich kann man da schon eher diskutieren. Erik Groeneweg hat keine außergewöhnliche Stimme, umschifft schwierige Klippen, indem er sich meines Erachtens nach zu sehr versteckt, besitzt aber in langsamen Passagen einen gewissen Schmelz, der dann besser zur Geltung kommt. Instrumental passt es sowieso: Der neue Bassist fügt sich gut ein, und die Gitarre spielt meist die Hauptrolle und erfüllt diese auch recht ordentlich. Die Aufnahme hätte für meinen Geschmack aber etwas druckvoller klingen dürfen, aber das ist Geschmackssache.
Am besten gefällt mir das Album somit in den langsameren Passagen – und davon gibt es einige in den nur sechs Songs. Da stimmt eigentlich alles: Die kleinen Soli der Gitarre sind allesamt nachvollziehbar, und, wie bereits erwähnt, ist die Stimme hier besser.
Das Album dürfte für jeden Progfan, der auf Härte und Virtuosität verzichten kann, einen Test wert sein. Und für Hardware-Anhänger ist die CD zudem sehr schick aufgemacht.
Bewertung: 10/15 Punkten
Besetzung:
• Erwin Scheijgrond – bass
• Ferry Zonneveld – drums
• Erik Groeneweg – vocals, keys
• Hans Gerritse – guitars, backing vocals
Surftipps zu Paravane:
• Bandcamp
• YouTube
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Abbildungen: Paravane/Bandcamp
