Legacy Pilots - Camera Obscura Volume II

Legacy Pilots - Camera Obscura Vol 2
Legacy Pilots – Camera Obscura Vol 2

Progressive Rock • Rock • Symphonic Prog • Artrock
(49:20; Vinyl, CD, Digital; Eigenveröffentlichung, Just For Kicks; 08.05.2026)
Seit 2018 fliegen die Piloten des Vermächtnisses bereits um die Erde. Mit ihren beiden simultan veröffentlichten Alben „Camera Obscura Volume I“ und „Volume II“ kommen sie mittlerweile auf bereits neun Veröffentlichungen, was in der heutigen Zeit doch recht selten der Fall ist (falls Ihnen dieser Text bekannt vorkommt, der stand bereits am Anfang meiner Rezi von Volume I).

So. So so. Frank Us, kreativer Kopf der Piloten, verpackt also zwei Alben separat statt in ein Doppelpack. Nein, ganz so ist es nicht. Schaut auf seine Webseite, es gibt verschiedene Erwerbsmöglichkeiten. Mir wird aber schon nach wenigen Sekunden klar, was die Motivation für den Hamburger war. Er hat es ja auch selbst in Interviews gesagt: „Volume II“ ist dunkler, extravaganter und vielleicht sogar exzentrischer als „Volume I!. Naja, denkt der Meckerer, wenn man die eingängige Melodik von „Volume I“ abstellen möchte, das ist ja nicht so schwer. Da braucht es nicht mal richtig komplexe Kompositionen, da reicht eine „sehr“ leichte Steigerung ins Komplexe…

Aber sachte. ‚The Illusion Of Knowing‘ überzeugt mich schon nach einer Minute. Das hat mehr Pep als das gesamte „Volume 1“. Für Freunde von „etwas mehr“ als Melodic Prog klingt das wie eine Auferstehung aus seichteren Gefilden. Über eine Viertelstunde zeigt der Hamburger hier, dass er durchaus auch mal vertrackter musizieren kann, ohne aber die angestammten Hörer direkt zu vergraulen. Das ist ein Spagat den viele leider nicht beherrschen. Das mit seiner Violine von Finally George unterstützte langsamere ‚Leave The Prison‘ klingt da als nächster Track wie eine Oase der Ruhe, auch wenn er zum Schluss hin das Tempo anzieht. Schlagzeuger Kai Weidele veredelt dann ‚Hounted House‘ mit seinem Drumspiel während der Chef selbst dem folgenden ‚Fear Pt. Three‘ mit Klavier und vielen sonstigen Tasten seinen Stempel aufdrückt. Das ist tatsächlich richtig proggig und dazu ziehe ich doch gerne diese Augenbraue hoch, die mir bei „Volume I“ eingeschlafen war.

Mit einem wiederum von Finally George gesungenen ‚I’m Running‘ geht es dann etwas ruhiger weiter. Oder? Da tauchen doch urplötzlich bedrohliche Sounds im Hintergrund auf, die Musik klingt wie ein Pferd das sich vergaloppiert hat und überhaupt….. Das ist Klasse gemacht. Diese Keyboards erinnern mich an meine Jugend und beweisen mir einmal mehr, dass heutige moderne Keyboards alle wie Entenkacke klingen.

Letzter Teil. ‚So Obvious While Obscure‘. Nervöses und bedrohliches Klavier eröffnet, dann folgt Hammond mit einer treibenden Drum, oft unterbrochen von allerlei leiseren Passagen. Doch immer wieder erhebt sich der Track, mal funky-jazzig, mal rockig, mal richtig free mit Orgel. Sehr würdiger Abschluss eines richtig guten Albums.

Soll ich mir „Volume I“ jetzt noch einmal anhören nach diesem absoluten Hörvergnügen? Ja. Frank Us zeigt uns hier, dass er sowohl leicht zugänglichen Melodic Prog schreiben kann, als auch vertrackten Prog wie hier auf „Volume II“. Das Beste daran ist, dass ich die schwierigeren Tracks bereits im Ohr sitzen habe, die von „Volume I“ jedoch, also die melodischen, die krallen sich nicht an. Ist doch komisch, oder? Melodic-Allergie?
Bewertung: 12/15 Punkten


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Abbildungen: Legacy Pilots/Bandcamp