Legacy Pilots - Camera Obscura Volume I

Legacy Pilots – Camera Obscura Volume I (Independent, 08.05.2026)

Progressive Rock • Rock • Symphonic Prog • Artrock
(44:15; CD/Digipack Sleeve, Digital, Vinyl; Eigenveröffentlichung, Just For Kicks; 08.05.2026)

„Camera Obscura Vol I“ in der Doppelbetreuung

Teil 1: Horst-Werner Riedel

Frank Ulrich Simmerlein, alias Frank Us ist ein äusserst emsiger Hamburger Musiker, Komponist und Produzent, der mit seinem Projekt Legacy Pilots seit 2018 einige hervorragende Progressive-Rock-Alben herausgebracht hat. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass ihn stets zahlreiche namhafte Gastmusiker unterstützten. Da diese ebenfalls über viel Erfahrung sowie über hinreichende Erfolge verfügen, wundert es nicht, dass diesem musikalischen Kollektiv genau das gelingt, wofür andere eine lange Zeit des Tüftelns und Suchens benötigen.

Die aktuelle Veröffentlichung „Camera Obscura“ stellt eine Besonderheit dar, ist das Album doch gleichzeitig als „Volume I“ und „Volume II“ erhältlich. Das heißt Erstgenanntes bietet neben den klassischen progressiven Elementen auch ruhigere und eingängigere Momente, während „Volume II“ wohl mehr die dunklere und extrovertierte Seite des Progressive Rocks beinhaltet. Falls man beide CDs bzw. Vinyls (wird offiziell als Gesamtpaket angeboten) sein Eigen nennt, hat das einen unverkennbaren Vorteil. Je nach persönlicher Stimmungslage greift man zu einem der beiden Alben. Spaß und musikalische Qualität sind grundsätzlich bei beiden Produktionen garantiert.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Da dem Rezensenten nur „Obscura Camera Volume I“ als Hörprobe vorlag, bezieht sich das im weiteren Verlauf Geschriebene auf besagtes Album. Schaut man sich die dazugehörige Besetzung an, offenbart sich schnell, es hat sich nur wenig verändert. Kontinuität scheint ein Erfolgsgarant für das Projekt zu sein. Namen wie Todd Sucherman, Marco Minnemann, Jake Livgren, Steve Morse, John Mitchell, Pete Trewavas und Finally George stehen erneut parat. Neu und nicht nur als Ergänzungsmusiker auf „Obscura Camera Volume I“ ist hingegen der Gitarrist Seth Hankerson. Gemeinsam zelebrieren sie eine Hommage an den goldenen 70er Jahre Rock. Gleichgültig ob moderner oder klassischer Progressive Rock, Symphonic Prog, Fusion, Artrock, Jazz sowie Rock und Pop mit seinen Kompositionen gelingt es Frank Us eine fließende Verbindung zwischen den unterschiedlichsten Stilen herzustellen. Neben wunderschönen atmosphärischen Elementen, darf es auch einmal etwas rauher und rockiger zugehen. Dennoch wird die melodisch, harmonische Ebene nur sehr selten verlassen. Zudem bietet auch dieses Album die erwartet bestens eingebundenen Vokalparts. Ob instrumental oder gesungen, das musikalische Grundgerüst steht. Mit einem Wechsel von verspielt bis sanften Keys und dahin schmelzenden Gitarrensoli sind die acht Titel stets melodiös und ins Ohr gehend. Die Befürchtung von allzu viel Mainstream überrollt zu werden, ist aber dennoch unbegründet, da ebenso vertrackte wie komplexere Passagen den Hörer um Aufmerksamkeit bitten. Wem eingängiger Progressive Rock auf hohem Niveau eine Investition wert ist, dem seien die beiden Alben ans Herz gelegt.
Bewertung: 12/15 Punkten


Teil 2: Marc Colling

Seit 2018 fliegen die Piloten des Vermächtnisses bereits um die Erde. Mit ihren beiden simultan veröffentlichten Alben „Camera Obscura Volume I“ und „Volume II“ kommen sie mittlerweile auf bereits neun Veröffentlichungen, was in der heutigen Zeit eine enorme Zahl darstellt.

Volume 1 kann man entweder gemeinsam mit Volume 2 als Vinyl oder auf CD kaufen, man kann die beiden Alben aber auch separat erstehen. Frank Us, Kopf der aus zahlreichen Musikern bestehenden Band, erklärt das damit, dass die beiden Alben recht unterschiedlich klingen. Seiner Meinung nach ist das zweite Alben dunkler und extravaganter ausgefallen. Nun, lassen wir doch die Hörer darüber entscheiden.

Das erste der beiden Alben beginnt typisch wie die Piloten halt meistens klingen. Todd Sucherman, seit 1996 Schlagzeuger bei Styx, ist hier wieder mal der geladene Gast. Und wenn der Amerikaner nicht am Schlagzeug sitzt, dann ist es der nicht minder bekannte Marco Minnenmann. Ansonsten wirken auch noch Jake Livgren, Neffe des Kansas-Sängers Kerry Livgren, Finally George, Steve Morse, Pete Trewavas und John Mitchell und einige andere mit. Eine solche Ansammlung von wirklich exzellenten Musikern beweist eigentlich, dass Frank Us einen guten Ruf unter Musikkünstlern besitzt.

Der Skeptiker moniert bei den Namen der Mi(e)tmusiker nicht ohne Grund, dass diese zum größten Teil im Bereich des Softprog zu Hause sind. Da haben sie natürlich Recht. Dabei halten sich diese Könner an die Vorgaben von Frank Us und spielen dementsprechend professionell, aber halt auch mit gebremstem Schaum. Und genau da liegt mein Problem bei Vol. 1. Würde die Musik doch nur einmal richtig ausbrechen, wenigstens soviel, dass ich mindestens eine Augenbraue hochziehen kann vor Überraschung. Aber das passiert leider nicht.

Dennoch: das Album mag für Liebhaber von melodischem und leichtem Prog eine Ohrenweide sein. Da stimmt eigentlich alles. Gutes Songwriting, für das Genre Melodic Prog sogar sehr gutes Songwriting, talentierte Musiker, technisch gute Aufnahme. Fan, was willst du mehr?

Für mich dennoch nur eine 10. Mir fehlt der Moment, wo ich die Augenbraue hochziehe.
Bewertung: 10/15 Punkten


Besetzung:
Todd Sucherman (Styx, Gowan) – Drums (1, 2, 3, 4, 5 & 6)
Marco Minnemann (Aristocrats, The Mute Gods, The Sea Within, H-Blockx, Freaky Fukin Weirdoz, Illegal Aliens, Steven Wilson) – Drums (7 & 8)
Lars Slowak – Bass (1, 2, 3, 5 & 8)
Finally George – Bass (6), Vocals (6 & 7)
Pete Trewavas (Marillion, Transatlantic, The Metros, The Wishing Tree, Los Trios Marillos, Edison’s Children) – Bass (7)
Steve Morse (Dixie Dregs, Kansas, Deep Purple, Flying Colors) – Guitar Solo (1)
Seth Hankerson (Emerald City Council) – Guitar Solo (6, 7 & 8)
Jake Livgren (Emerald City Council, Proto-Kaw, Jabberwockie) – Vocals (1)
John Mitchell (Perfect Beasts, Arena, It Bites, Asia, Frost*, Kino, John Wetton Band, The Urbane, Lonely Robot) – Vocals (8)
Liza – Vocals (4)
Frank Us – Keys & Guitars, Drum Programming (4 & 5), Vocals (4), BGV (6 & 8)

Surftipps:
Homepage
Bandcamp
YouTube
Rezensionen, Liveberichte & Interviews

Abbildungen: Legacy Pilots/Bandcamp