Elder - Through Zero

Stoner Rock • Psychedelic • Post Rock
(53:57; Vinyl, CD, Digital; Stickman Records; 29.05.2026)
Der Weg ist das Ziel, Anfänge und Enden mögen willkürlich sein – oder vielleicht ist die Realität einfach weniger linear, als wir annehmen. Tod, Frustration und Angst, Hilflosigkeit und Hoffnung – all das existiert entlang desselben Signalwegs.
So spricht Gitarrist/Sänger Nick DiSalvo und versucht zu benennen, wie der Ausgangspunkt des neuen, in Berlin fertiggestellten Albums „Through Zero“ definiert werden darf.
Die Band gehört längst zu den angesagten Formationen innerhalb des psychedelisch kraftvollen Heavy/Progressive Rock. Sechs neue Songs und alles, was man sich als Freund dieser Klangwelt wünschen kann, werden auf dem neuen epischen Album in vielerlei Farben serviert. Kosmisch hier, intensiv rockend da, viele dynamisch-progressiv anmutende Strukturen und diese schwer eingängigen Melodien gratis frei Haus.
Langsam und stetig ist der Karriereverlauf der Band, nun steht man mit „Through Zero“ irgendwie schon am gefühlten Nullpunkt. Wohin die Reise geht, bleibt offen – vielleicht bald durch die Decke? Als Fan braucht man nicht Anlauf: Die Veränderungen und Verschiebungen im Sound sind vorsichtig, aber nicht ohne hohe Frequenz und Präsenz. Im Opener ‚Sigil To Ruin“‘ schichtet man behutsam verschiedene Ebenen und schafft subtil, aber gezielt die Rezeptur aus kosmisch-progressiver 70s-Atmosphäre, um in den richtigen Momenten kraftvoll und nachdrücklich diesen liebgewonnenen Druck zu erzeugen.
DiSalvo ist seit Jahren kreativ aktiv und weiß dank seiner Projekte wie Delving und Weite mit dem Atem des psychedelischen Rock-Sounds gehörig tiefe Strukturen zu etablieren, für die es glücklicherweise erstmal ein Paar Anläufe benötigt.
Dann aber – und ich liebe diesen Effekt – wird das an die Wand geworfene Bild rund und farbenfroh. Es weiß mit dieser komplexen Vertiefung und Verschachtelung im Sound gerade den Freund anspruchsvoller Klänge nachhaltig zu umarmen. Es federt, flirrt, rockt und vibriert bei Elder anno 2026; mehrstimmige Gesangseinlagen, entrückt, kosmisch und melancholisch, laden immer wieder zur kleinen hypnotischen Innenschau ein.
Kreativ, detailverliebt und progressiv – dabei nie zu verkopft und stets mit klaren melodischen Passagen – wächst dieses Album von Hördurchgang zu Hördurchgang. ‚Capture/Release‘ schiebt euphorisch im Refrain und generiert beim Hörer mit Spielfreude und schöner Melodik, Kraft und Zuversicht. Im Titelsong pendelt man ebenfalls im steten Wechsel zwischen leichten Grooves und drückender Power in der Verdichtung – alles wirkt sehr harmonisch, maximal organisch mit viel Gespür für’s Zusammenspiel, was auch gerade innerhalb des Entstehungsprozesses dieser Platte ein Hauptaugenmerk der Musiker war.
Feine driftend-kosmische Melancholie zeichnet anfänglich das längste, fast elfminütige ‚Strata‘ aus, und da bin ich zugegebenermaßen schnell in Love. Mehrstimmige Vocals, perlende Akkorde und dieser tripartige Sog tragen weit raus, ganz weit raus. Im Verlauf drückt man aufs Pedal, wird draufgängerisch, schichtet postige Wände zuhauf, taucht in tiefsten Ambient ab und weiß aber auch mit oldschooligen Retro-Synths gehörig Atmosphäre zu verbreiten.
Mit ‚Sight Unseen‘ werden die Kontraste nochmal richtig hochgefahren. Massive Riff-Wände, intensiv metallisch rockend und dann wieder diese fragile Stille.
Der Abschluss ‚Blighted Age‘ driftet dann schön verträumt und sanft aus dem Album raus. Ein absolutes Highlight dieses ambivalente „Through Zero“! Und ich kann nicht nur Fans dieser Band raten: Dreht das Volume hoch und entdeckt die wunderbare Dramaturgie der langen Songs von Elder!
Bewertung: 13/15 Punkten
Besetzung:
• Nick DiSalvo – Guitar/Vocals
• Jack Donovan – Bass
• Mike Risberg – Guitar/Keyboards
• Georg Edert – Drums
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von All NONoirIR zur Verfügung gestellt.
