Abraham-Baker-Lyndon - Where Do We Go From Here


Neo Prog • Pop Rock
(65:38; CD, Digital; Oskar Records; 01.05.2026)
Neoprog-Fans werden zwei der drei Namen direkt zuordnen können, denn Lee Abraham und Dean Baker sind mittlerweile feste Größen bei der britischen Neoprog Institution Galahad, Abraham ist als Bassist auf dem Bandhighlight „Empires Never Last“ (2007) zu hören und seit „Seas Of Change“ (2017) Gitarrist der Band. Keyboarder Baker ist sogar schon seit dem Klassiker „Following Ghosts“ (1998) ohne Unterbrechung an Bord. Der dritte Name scheint eher ein unbeschriebenes Blatt zu sein, spielt aber naturgemäß in seiner Funktion als Sänger eine wichtige Rolle.

Die Wege von Baker und Lyndon kreuzten sich bereits in den 90ern, als sie gemeinsam einige Songs komponierten, mit denen allerdings zunächst nichts weiter passierte. 2008 trafen sie sich wieder und fanden sich in Abrahams Studio ein und überarbeiteten als Trio das Material und gestalteten schließlich ein komplettes Album, das aber ebenfalls (noch) nicht veröffentlicht wurde.

Es dauerte bis 2024, als das polnische Label Oskar Records, offenbar irgendwie auf dieses vor sich hin schlummernde Werk gestoßen, mit den Musikern ins Gespräch kam und dies offenbar fruchtete, denn am Ende steht nun tatsächlich die Veröffentlichung von „Where Do We Go From Here“. Und dabei ist recht viel Material zusammen gekommen, denn zwölf Songs bringen es auf eine Laufzeit von über eine Stunde.

Erinnert das Ganze nun, so der erste Verdacht, stark an Galahad? Nö. Das liegt schon daran, dass die Stimme Lyndons ganz anders klingt als die des Galahad-Frontmannes Stu Nicholson. Außerdem ist der musikalische Ansatz ein etwas anderer. Hier werden typische Neoprog Elemente mit Poprock gemischt. Redet man von den Highlights des Albums, dann ist das fast immer mit den zugehörigen Tastenarrangements verbunden, die Gitarrenarbeit ist überraschend zurückhaltend. Wer mit heavy Gitarren rechnet, wartet vergeblich. Stattdessen übernimmt Baker die Hauptverantwortung und sorgt mit einfallsreichen Tastenpassagen immer wieder für schöne Momente.

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Dabei sind sie mal melancholisch, mal locker-flockig unterwegs, die Stimme passt eher in den Poprock Bereich. Als Beispiel für einen typischen balladesken Song mag ‚Alone‘ dienen, bisweilen erinnern sie den Schreiberling hier an Bands wie Castanarc. Und so zart und fragil dieses Stück endet, beginnt auch das nachfolgende ‚Sacrifice‘ mit wunderschönem Zusammenspiel von Klavier und Synthesizern. Bei manchen Melodielinien mag auch mal Jadis in den Sinn kommen.

Die meisten Songs sind im 6-8 Minuten Bereich angesiedelt, in manchen Fällen vielleicht ein bisschen zu lang geraten, was möglicherweise auch ein wenig den Eindruck verstärken mag, dass eigentlich nicht viel Aufregendes auf dem Album passiert. Eine gewisse Gleichförmigkeit ist kaum zu leugnen, denn auf harte Passagen oder gar schräge Arrangements wird verzichtet, stattdessen spielt man eher mit Stimmungen zwischen melancholisch und locker-flockig. Und wie bereits erwähnt, dies wird hauptsächlich durch die Keyboards in Szene gesetzt.
Bewertung: 9/15 Punkten


Besetzung:
Lee Abraham – guitars / bass / additional keyboards / backing vocals / „Vicar“/ engineering / mixing / mastering
Dean Baker – keyboards / drum programming / backing vocals
Andrew Lyndon – vocals

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Abbildungen: Oskar Records