The Violent Years - Blizzard / Sunshine


Melancholic Pop • Folk • Americana
(41:40; Vinyl, CD, Digital; Apollon Records; 10.04.2026)
Für Freunde der Tindersticks, Spain, Tram oder Piano Magic gibt es hier etwas Feines aus Norwegen. Schön tiefenentspannter Sound zwischen Slo-Mo-Americana, Folk und einfach stillem, melancholischem Pop/Rock.

Laut wird’s jedenfalls nie, progressiv erst recht nicht, aber: schöne Melodien, Streicher, perlende Roadmovie-Grandezza, Late-Night-Melancholie – und das alles ohne Brüche, ohne den ganz großen Schmerz.

Eher lieblich, komplett entschleunigt, mit einer mal sanft klaren, dann wieder Tindersticks-mäßigen Grummelstimme versehen. Blizzards, Moonlight, Waves und Summer Gardens – alles Metaphern für die kleinen und großen Geschichten der Band, die sich um die Themen Liebe, Sehnsucht und den natürlich damit verbundenen Schmerz drehen.

Ich habe oft das Meisterwerk „I Believe You“ von Spain im Ohr, bei dem diese herzzerreißenden Themen ebenfalls mit wunderschönem, minimalistischem Slow Pop zu später Stunde kleine Stiche versetzen. Wie gesagt, die Norweger navigieren durch ihre Balladen ohne Hast und Unruhe, finden sehr oft ins angenehm Orchestrierte, bleiben hier und da aber noch minimaler, fast rein akustisch. Der Titelsong hat viel vom Glanz des späten 60s-Psych-Pop, ist maximal geschmeidig, mit Chören und toller Melodie.

Für reine Americana ist diese kunstvolle Platte zu tiefsinnig, virtuos und schöngeistig, für den ganz klassischen Art Pop ist man am Ende etwas zu berechenbar – aber einfach schön zu hören. Ob die Single ‚Come To Me Lover‘ oder die sanft orchestrale Ballade ‚Light In Here‘ – einige Highlights finden sich, und grundsätzlich läuft dieses Album sowieso wie ein stiller, klarer Fluss durch dich hindurch.

Etwas Desert Pop in Calexico-Tradition findet sich in ‚Garden Party‘ – feine Chöre, Sprechgesang und Streicher sind liebevolles Beiwerk. „Blizzard / Sunshine“ bleibt musikalisch eher im sanften Flow, statt – wie im Titel angedeutet – größere Kontraste heraufzubeschwören, und wird wohl kaum einen Progger aus der Komfortzone zerren. Ich mag die stille, entspannte Melancholie der Norweger.
Bewertung: 11/15 Punkten


Besetzung:
Kenneth Bringsdal
Lars Erik Humborstad
Jack van der Hagen
Eivind Thorsvik
Kjetil Sjølingstad

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records zur Verfügung gestellt.