The Moon And The Nightspirit - Seed Of The Formless


Mystic Folk • World Music • Atmospheric Metal •
(42:10; Vinyl, CD, Digital; Prophecy Productions; 17.04.2026)
Ungarn hat nicht nur die wundervollen The Devil’s Trade, sondern auch seit knapp 25 Jahren The Moon And The Night Spirit. Beide Projekte sind irgendwie düstere Nische, spielen gekonnt zwischen den Genres ihre jeweils sehr eigenständigen Songs.

Wenn auch der postig-dunkle Touch eher den erstgenannten zukommt, fühlen sich The Moon.. mit eher traumwandlerisch, verwunschenem dunklen Folk und latenten Black/Doom-Elementen für mystische Szenarien zuständig.

Hab ich den letzten Longplayer der Ungarn noch wesentlich akustischer, folkiger in Erinnerung, wuchert man mit „Seed Of The Formless“ doch wesentlich mehr in düsteren Metal-Gefilden.

Die Stimme von Ágnes hat genau das Maß an Timbre für diese Art hymnisch-bombastischen Sound und in den meisten Teilen des Albums schweben und rocken die Ungarn letztlich doch in ihrer ganz ureigensten Weise durch verwunschene Schlösser und dunkle Wälder. Doom, progressiv orchestrale Parts, teils metallisch nach vorne rockende Parts geben der neuen Rille ein wesentlich kraftvolleres Setting.

Ätherische 90’s Dark Wave Elemente – diese Art von geheimnisvoller Sanftmut im weiblichen Gesang – ist wie immer nah am Heavenly Voices Oeuvre. Bands wie die frühen The 3rd and the Mortal blitzen fragmentarisch hier und da als Flashback auf – dank transzendenter Stimmungsbilder (‚Luminous Thread‘) und diesem atmosphärischen Hall im Sound agiert man nostalgisch, traumähnlich und melancholisch verwunschen.

Trotz aller orchestralen Doom-Elemente würde ich die Ungarn nie zu leichtfertig in staubige Gothic Metal Schubladen wegschließen, hat man doch längst seine eigenen Widerhaken, Tiefe und Anker mit vielen kleinen Folk/World/Post-und Atmo-Spielwiesen definiert. Natur, Meditation, spirituell schamanische Gimmicks sind längst Bestandteil des mystischen Überbaus der musikalischen wie auch inhaltlichen Ebene.

Harsche männliche Vocals sind auf der neuen Rille selten, dann aber als feiner Kontrast spürbar. ‚Odyssey Limen‘ drückt treibend, energetisch und majestätisch mit lieblich-sehnsüchtiger Melodik, die sanften weiblichen Vocals bilden ein feines schwebendes Gegenstück zum kraftvoll metallischen Dark Metal Fundament. Einerseits maximal entrückt, dann wieder dynamisch leben Stücke wie ‚The First Tremor‘ oder das ätherische Doom-Sternchen ‚Astromorphosis‘ von ihren verschiedenfarbigen Schattierungen.

Nichts ist zu glatt in Szene gesetzt – Gitarren, die auch im Post Metal ihren Platz fänden und ein generell organisches Sounddesign wissen die filigranen, aber auch schmissigen Metal-Parts gekonnt in Szene zu setzen. Für Waldläufer, Sternengucker und wandelnde Nachtschatten ist „Seed Of The Formless“ eine kleine mystische Reise in acht Kapiteln.
Bewertung: 12/15 Punkten


Besetzung:
Ágnes Tóth – vocals, keyboards, programming
Mihály Szabó – screams, guitar, bass

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Prophecy Productions zur Verfügung gestellt.