Pupil Slicer - Fleshwork

Mathcore • Industrial Metal • Grindcore • Post Metal
(36:16; Vinyl, CD, Digital; Prosthetic/MNRK Heavy/SPV; 07.11.2025)
A rupture, a scream from the margins, a refusal to be palatable.
Man muss Presseinfos einfach lieben. Vor allem, wenn sie klingen, als hätte jemand beschlossen, Pathos endlich auch im Großhandel zu bestellen.
Und dann ist Fleshwork von Pupil Slicer (seit November 2025) draußen – und macht exakt das, was diese Promo-Texte seit Monaten mit immer größerem Brustton angekündigt hatten: Es eskaliert. Komplett.
„Crushing“, „industrial hellscape“, „most diverse, engrossing and essential heavy albums of 2025“ – die Presseschau klingt inzwischen wie ein Wettstreit im Überbieten von Untergangsmetaphern. Und überraschenderweise: ganz falsch liegt sie nicht.
Musikalisch ist das hier tatsächlich die bisher konsequenteste Version der Band. Das 2021er „Mirrors“ war roh und kantig, „Blossom“ (2023) strukturierter und melodischer, „Fleshwork“ ist jetzt die Synthese – nur eben unter Dauerbeschuss. Hooks existieren, aber eher als Störimpulse im System. Alles wirkt dichter, schwerer, größer, als würde jeder Song versuchen, gleichzeitig zusammenzubrechen und weiterzulaufen.
Der Industrial-Einfluss sitzt dabei tief. Die Nine Inch Nails-Referenz ist mittlerweile mehr Zustand als Einfluss: kalte Mechanik, Druck, Reibung, emotionales Überleben im Maschinenraum. Dazu Mathcore-typische Zersplitterung, die verhindert, dass irgendetwas auch nur eine Sekunde bequem wird.
Inhaltlich bleibt das Ganze erwartungsgemäß kein Wohlfühlprogramm. Entmenschlichung, strukturelle Gewalt, gesellschaftliche Verwertungslogiken – die große „industrial hellscape“-Kulisse ist weniger metaphorisch als funktional. Kate Davies, Josh Andrews und Luke Booth stehen dabei als Trio im Zentrum dieses Dauerstroms und liefern die passende physische Entsprechung zu einem Album, das eher Zustand als Sammlung von Songs ist. Alltag als Kostenrechnung, Identität als permanenter Aushandlungsprozess.
Dass das Album „konzeptionell, aber kein Konzeptalbum“ sein soll, wirkt mittlerweile wie ein Running Gag. Natürlich hängt alles zusammen – nur eben nicht als erzählte Geschichte, sondern als Zustand, der sich durch alles frisst.
Die Produktion (Joe Clayton, Nø Studio Manchester) tut ihr Übriges: dick, kompakt, aber nicht glatt. „Tidal waves coming down on your head“ ist in dem Fall keine Übertreibung, sondern ziemlich treffend beschrieben. Trotzdem bleiben kleine melodische Risse, die das Ganze nicht entschärfen, sondern eher noch unangenehmer machen.
Neu ist auch der Fokus auf Groove und Direktheit: eher Körper, mehr Druck, aber ohne die Kontrolle zu verlieren – falls man „Kontrolle“ hier überhaupt noch als Zielgröße verstehen will.
Die Einflüsse aus Film, Anime und Games bleiben hörbar, aber eher als kultureller Unterbau für ein ohnehin überhitztes System.
Unterm Strich bestätigt Fleshwork genau dieses Muster: kein vorsichtiges Weiterentwickeln, sondern eine Verdichtung bis an die Belastungsgrenze. Zugänglicher als früher, ja. Eingängiger vielleicht sogar. Aber eben nur so lange, bis es wieder losgeht.
Oder anders gesagt: eines der seltenen Alben, bei denen „essential“ tatsächlich nicht nur Promo-Vokabular ist – sondern einfach die höfliche Version von „macht dich fertig, aber richtig“.
Bewertung: 11/15 Punkten

Besetzung:
• Kate Davies – Vocals, Guitar, Keys
• Josh Andrews – Bass, Vocals
• Luke Booth – Drums
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.