Leila Abdul-Rauf - Andros Insidium


Ritual Folk Ambient • Female Dark Music
(37:14; Vinyl, CD, Digital; 20 Buck Spin; 17.04.2026)
Auf ihrem neuen Release entführt uns diese spannende Künstlerin auf zeremonielle Weise durch die Architektur des Schattens. Transformation – die Weisheit und Präsenz des Weiblichen ist allgegenwärtig – ein ewig geführter Kampf um Anerkennung, unaufgelöste Erwartungen, gesellschaftliche Vorurteile.

Leila zeigt uns konsequent die Tiefe, die Weite dieser Nuancen mit all ihren Facetten: Hässlich, wild, verletzlich und kraftvoll. Wilde rohe Rachefantasien über Kastration, kollektive Wut durch systematischen Missbrauch werden auf spirituelle Weise durch symbolische Göttinnen vollzogen.

Ein Album aus der weiblich emotionalen Perspektive, verpackt in wunderschöne Klänge zwischen Ritual Ambient, Folk, Drone und allerhand episch-orchestrale Dark Wave Arrangements. Die Bilder kommen dank Fanfaren, Percussion und synthetischen Melodien schnell von alleine, ein Soundtrack wie „Gladiator“, generell die Arbeit einer Lisa Gerrard (Dead Can Dance) wird zum wiederkehrenden Deja Vu.

Ethnische Chöre, gedoppelter Gesang, maximal elegische Streicher und Sound-Flächen machen ‚Stripped Before The Eye Of Death‘ zum absoluten Moment der Platte. ‚Eros Anima‘ nutzt Percussion, fernöstliche Melodien und prägnante Fanfaren.

Mahnende Vocals, rituelle Stimmung lassen Fluten von Bildern aufkommen – zurück ins fernöstliche Mittelalter, epische Schlachtengemälde vorm geistigen Auge, martialisch, aber auch feinfühlig und immer angenehm melodiös, gar eingängig. ‚Senex Rule‘ – lautmalerisch beschwörend dunkle Chöre – pompöse, nach Tempeln und Zeremonien klingen in ‚Fractured Body‘ an und ja, beeindrucken. Der minimale Piano-getragene Titelsong erinnert mit erzählerisch-geflüstertem Gesang an die wundervolle Anna von Hausswolff – später wird es avantgardistisch, animalisch, richtig finster und man führt den Hörer sogar in abgründige Black Metal-Höllen.

Freunde von Loreena McKennitt, Anna von Hausswolff, Arcana oder den einzigartigen Franzosen von Rosa Crux werden in dieser Kulisse garantierten Hörgenuss erfahren. Im Vergleich zum Vorgänger musiziert die Musikerin dominanter, dunkler, tiefer, selbstbewusster und dieses Mehr an orchestralen Mitteln lässt „Andros Insidium“ wie einen modernen Soundtrack zu einem rituellen Schlachtfest erscheinen. Ein wundervolles Stück Musik und die Veröffentlichungswelle mit spannend, düsteren Female Artists verwöhnt mich erneut mit einem Kleinod in Sachen finsterer Nischensounds.
Bewertung: 12/15 Punkten


Gastmusiker:
Samuel Foster – hand percussion and additional synths on tracks 1 and 3
Kienan Hamilton – lute on tracks 3 and 8
Gregory C. Hagan – vocals on track 4
Drew Zercoe – additional vocals on track 5

Surftipps:
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Youtube

Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Earsplit PR zur Verfügung gestellt.