Lantlôs - Nowhere In Between Forever

Alternative Metal • Shoegaze • Pop
(42:33; Vinyl, CD, Digital; Prophecy Productions; 03.04.2026)
Mit „Wildhund“ hat man der eher düsteren Ausrichtung, der Wertmarke der Post-Black-Metal-Community, bereits ein dickes „F*** you“ geschickt, alle Verpflichtungen über Bord geschmissen – und dieser Rucksack wird mit „Nowhere In Between Forever“ nun noch einmal um einiges leichter.
Wie sagt man bei manchen dickköpfigen Kids so gerne: „Das bringt hier nichts, den muss man einfach mal machen lassen.“ Passt hier irgendwie auch hervorragend in Sachen Lantlôs.
Alternative Rock/Metal, Emo Rock und Grunge – ja, die freche Metamorphose seinerzeit von Pyogenesis in Richtung alternativer Pop-Sounds ist als Vergleich gar nicht so wirklich falsch – spielt Markus hier mit viel Licht und Freude am positiven Vibe. Smashing Pumpkins, Trent Reznor in poppiger Form, Nirvana, Bob Mould mit Sugar, Helmet, Deftones und auch Post-Rock-Vertreter wie Jesu mit ihrem driftenden Doom Pop lassen sich hier verorten.
‚Daisies‘ als Opener knallt schön nach vorne mit einnehmender Melodie – jugendlich-frische Energie wird hier im Sekundentakt verströmt. Verrückte Drum-’n’-Bass-Loops in ‚Jeanet‘ sind schon weit vorne, paaren sich mit dopamingetränkten, teils poppig gepeitschten Vocals (Auto-Tune?) zu sommerlichen Abfahrten, die nichts, aber auch gar nichts mehr mit den finsteren urbanen Post-Black-Metal-Schattierungen der frühen Jahre gemein haben.
Alles im Alleingang zusammengebastelt, öffnet sich hier eine erfrischende Soundwelt, die sich aus den aktuell zur Verfügung stehenden handwerklichen Mitteln, Nostalgie und viel Lust auf die Neunziger speist, ohne aktuelle Strömungen komplett auszuschließen.
Songs wie das shoegazig rockende ‚Planets‘ oder ‚Cherries‘ grooven und schrammeln sich mit voller Leidenschaft direkt ins Herz – hier zeigt sich die Songwriter-Qualität ohnegleichen. Da muss ich nicht zum ersten Mal an den Klassiker ‚Copper Blue‘ von Sugar denken, und ich liebe dieses Album bis heute. Also: Leichtigkeit und abgekoppelter Frohsinn – ein dickes Ja zum „Pop“, trotz der massiven Riffs und Rock-Elemente.
‚Ghost‘ klingt nach halluzinierendem Post/Psychedelia/Doom (ein wenig „Melting Sun“ schwingt hier noch mit), wie es Jesu mit ihrem Drone Pop ebenfalls gerne zelebrieren – langsam, trippig und leicht melancholisch verstrahlt.
Alles passiert hier ohne irgendwelche Scheuklappen. Synths treffen auf wild geschredderte Riffs, Synth Rock, Grunge, fast punklastiger Pop – und am Ende ist es trotzdem Lantlôs mit seiner eigenen Version von all dem. Die Catchyness – mit einem Fuß in den Wolken – macht das offene, mit Stilen experimentierende „Nowhere In Between Forever“ zu einem Lichtkegel, zu einer dauerhaft sprudelnden Energiequelle.
Bewertung: 12/15 Punkten
Besetzung:
• Markus Skye – vocals, guitars, synthesizer, programming
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Prophecy Productions zur Verfügung gestellt.