Kolm - Yūgen

Progressive Rock • Progressive Metal
(1:02:24; Vinyl, Digital; Entheoscape Records; 10.04.2026)
Das Problem mit dem FFO (For Fans Of …) ist: Sobald eine Band beispielsweise mit Porcupine Tree verglichen wird, gilt sie als das Gelbe vom Ei, hörenswert und unbedingt weiterzuempfehlen. Doch sobald eine Band wie Tool auf der Agenda „similar …“ auftaucht, kommen Stimmen wie – Epigonen, Nachahmer oder weitere, eigentlich unfaire Behauptungen.
Dass Kolm eine Affinität für Maynard & Co. haben, wurde schon mit dem vor knapp acht Jahren veröffentlichten Debüt „Umbra“ deutlich. Diese ging aber eben nicht so weit, als dass man den Kaliforniern ein blindwütiges Kopieren vorwerfen müsste. Es waren nur nuancierte Phrasen wie Bassläufe, Gitarrenlicks und die lautmalerischen Vocals von Giorg Yela, die dezente Anklänge an das ebenfalls in Los Angeles beheimatete Prog-Metal-Schwergewicht zuließen.
Mit ihrer aktuellen Großtat „Yūgen“ sind Parallelen eben nur dann zu deuten, wenn man diese deuten möchte oder vehement danach sucht – wie etwa die intensiven Gitarren im epischen ‚Symbiosis‘ oder der leichte ‚Pneuma‘-Drive in ‚Ex Nihilo‘. Kolm setzen vielmehr auf ambiente Soundscapes und worldmusikalische Strukturen, die den Tunes zu einer geheimnisumwitterten, spirituellen, transzendenten und exotischen Aura verhelfen. In Verbindung mit den beschwörenden Vocals von eben Yela geraten die Songs auf „Yūgen“ (japanisch, steht für dunkle, verborgene Schönheit) zu Mantras im ProgM etal, wobei die metallischen Einschläge hier nur dezent gestreut sind, dafür aber effektiver und auch mächtiger zur Geltung kommen.
Schon ‚Mycelia‘ zeigt sich mit harmonischer Opulenz und facettenreichem Soundüberbau, ‚Olēka‘ steigert sich von transzendentem Gamelan in exzessive Polyrhythmik, ‚The Reach‘ kontert mit einem langanhaltenden Spannungsaufbau, ‚Dés Vu‘ mit meditativem Ambient – inklusive Hang-Drum und Bee Born als Gastsängerin – und ‚Symbiosis‘ als Kolm-eigenes Statement zum Progressive Metal an sich.
Letztendlich öffnen sich im mächtigen Titeltrack sämtliche Schleusen und erzeugen einen Mahlstrom aus Trance und Progressive Rock, der tatsächlich einige Aspekte in Richtung Shpongle (wirklich!) aufweist, wobei die dezente Dancefloor-Affinität sicherlich nicht zufällig ist. Hier treffen Sequenzer-Beats und IDM-Momente auf Obertongesänge (in Szene gesetzt von JD WolfRobe), riffige Breitseiten und ekstatisches Headbanging. Und wer denkt hierbei noch an Tool?
Bewertung: 14/15 Punkten
Besetzung:
• Giorg Yela – vocals, guitars, electronics
• Mikal Baker – drums, electronics
• Ben Taylor – bass
Gastmusiker:
• Bee Born – vocals on ‚Dés Vu‘
• JD WolfRobe – đàn môi & khöömei on ‚Yūgen‘
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Abbildungen: Kolm/Bandcamp