Iterum Nata - Heartwood


Nordic Metal • Melancholic Dark Folk • Progressive Rock •
(45:52; Vinyl, CD, Digital; Nordvis Produktion; 17.04.2026)
Jesse Heikkinen (u.a. Hexvessel) konnte mich mit seinem letzten Album „From The Infinite Light“ mächtig begeistern, waren es im Besonderen die wunderschönen, schwer melancholischen Folk-Balladen, die mit ihrer nordischen Attitüde viel Wehmut transportierten.

Laut Aussage des Musikers wird auf diesem sechsten Studio-Album viel mehr Wut verarbeitet, ein nicht zu leugnendes Mehr an Metal lässt sich tatsächlich nicht leugnen, aber zum Glück integriert der Finne weiterhin diese liebevolle Melange aus progressivem dunklen Rock und lieblichem Wehmuts-Folk.

Prominente Gäste wie King Dude, Sami Hynninen von Reverend Bizarre und Alexander Kuopalla (ex-Children Of Bodom) seien hier außerdem erwähnt. Die ersten Hördurchgänge geben mir das Gefühl, das einige Ecken und Kanten geglättet wurden, der Pathos in den orchestralen Metal-Arrangements sich an Borknagar, Insomnium und Konsorten orientiert, nur alles irgendwie einen Hauch polierter.

Mit schönen melancholischen Folk-Melodien startet man im Opener ‚Under A Willows Tree‘ mit fast Scott-Walker-affinem Pathos. Später gibt es stürmische Double Bass, die cleanen Vocals halten den Sound aber weit weg von echter Aggression. Die komplette Melodieführung ist sowas von nordisch, sodass aktuelle Borknagar immer wieder vorm Auge aufblitzen.

Eine präsente filigrane Akustikgitarre findet jederzeit an den richtigen Stellen des Albums Raum, um zu berühren. ‚Forgiveness Undone‘ atmet den theatralischen Input von King Dude – Streicher und schmachtende Melodik sind fast einen Hauch über der erlaubten Pathos-Grenze. (Verdammt, ich höre ständig diesen einen Hit von Silly dabei – sic!)

Black-metallisch schleifende Riffs eröffnen ‚Feast On His Corpse‘, werden schnell von dramatischen Vocals und orchestralen Melodien durch den progressiven Waschgang gezerrt. Es passiert stets was, durchgehend melodisch bleibt es immer, und die schmissigen Metal-Parts grooven sich schnell in die Gehörgänge.

‚The Forsaken Oath‘ brilliert mit schöner Dramaturgie, mehrstimmigen Vocals und fast Classic-Rock-affinen Arrangements (natürlich alles eine Nuance düsterer). Gepflegte 70s-Einflüsse, oldschoolige Synths und schwer eingängige Riffs sind maximal sympathisch und machen den Song zu einem lieblichen Ohrwurm.

Das poppige ‚Mona Lisa Smile‘ entlehnt seine Melodik frech von ‚In The Court Of A Crimson King‘, während die schmerzhafte Ballade ‚Only Ash And Bones Remain‘ mit Unterstützung von Sami Hynninen einen ganz eigenen außerweltlichen Dreh bekommt und mich gerade in den Strophen an Of The Wand and The Moon erinnert. Emotionale Vocals und ein starkes Solo machen diesen Song zu einem Herzstück der Platte.

Progressiv, dramatisch, erhebt sich ‚Mooncry Symphony‘, obwohl die Vocals hier hart an der Grenze operieren. Traditioneller Doom Metal in ‚I Have been Sacrificed‘ und schmachtende Melancholie in ‚Heartwood Is Dead‘ beschließen erneut ein starkes Album zwischen nordischem Metal-Pathos, elegischer Folk-Melancholie und progressiv+orchestralem Bombast, bei dem mir die besonderen emotionalen Momente des Vorgängers leider etwas fehlen.
Bewertung: 11/15 Punkten


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Abbildungen: Iterum Nata/Bandcamp