Guru Guru - Mani und seine Freunde
Krautrock • Jazz Rock • Experimental
(51:39; CD, digital; MiG Music; 30.01.2026)
Dieses Album wurde 1975 bei dem Atlantic-Label veröffentlicht. Zu einer Zeit, als Guru Guru sich vorläufig getrennt hatten und ihr musikalischer Kopf Mani Neumeier sich überlegen musste, in welcher Form er seine musikalischen Ideen zukünftig umsetzen sollte. Dabei erhielt er Unterstützung von Kraan-Legende Helmut Hattler, der ihm nahelegte, mit einer Gruppe von Kollegen zusammenzuarbeiten. So ist dies auch eher ein Soloalbum als ein Guru Guru Album, wobei es geschickt umgangen wurde, dies klar kenntlich zu machen, denn man kann es als „Guru Guru – Mani und seine Freunde“ oder auch als „Guru Guru Mani … und seine Freunde“ lesen. Und so liest sich die Besetzung wie ein Who’s Who der deutschen Krautrockszene mit Mitgliedern (zur Zeit des Entstehens dieses Albums) von Kraan, Karthago und Harmonia sowie Guru Guru Wegbegleiter.
Die beiden Plattenseiten unterscheiden sich deutlich. Die erste Hälfte des Albums besteht aus gemeinsamen Kompositionen und sind zumeist im Jazzrock Bereich angesiedelt, danach wird es experimenteller und teils unvorhersehbar, denn es handelt sich mit einer Ausnahme um Musik aus der Feder von Mani Neumeier. Die Ausnahme hätte man sich gerne schenken können, denn mit ‚Drink Wine‘ wurde eine Live-Aufnahme von Champion Jack Dupree ans Ende gestellt – warum auch immer. Glücklicherweise verabschiedet man sich nicht mit einem derartig unpassenden Rohrkrepierer aus dem Album, denn als Bonus gibt es – wie auch schon in der Version von Revisited Records – eine gelungene Live Version des starken Tracks ‚From Another World‘.
Manches mag eher juxig gemeint sein wie das eingängige ‚Chicken Rock‘, repräsentativer ist aber beispielsweise das starke ‚It’s Your Turn‘, auf dem Keyboarder Ingo Bischof mit seinem jazzigen Tastenspiel den Ton angibt. Starke Nummer, sogar mit einer Prise Progressive Rock versehen.
Die zweite Seite startet gleich mit einem Highlight des Albums, dem fast zehnminütigen ‚From Another World‘. Ein ausgesprochen farbenfroher Track, der auch mal Richtung World Music geht, von einfallsreicher Perkussionsarbeit und viel Geflöte profitiert. Das darauffolgende ‚Woodpecker’s Dream‘ mit dem Untertitel ‚Ein Märchen aus dem Ulfenbachtal‘ ist teils hörspielartig angelegt, startet mit zartem Gesang und sanfter Perkussion. Die abschließenden beiden kurzen Titel sind, wie bereits angesprochen, vernachlässigbar.
Bemerkenswert ist eine besondere Danksagung im Booklet, dort bedankt sich Mani nämlich bei seinen geliebten kleinen gefiederten Freunde, denn die Vögel hält er für die einzig wahren professionellen Musiker. Interessanter Gedanke. Für das Remastering war übrigens – wie auch schon auf diversen anderen Krautrock-Überarbeitungen – Willi Dammeier vom Institut für Wohlklangforschung.
Wohlklang ist hier nicht wirklich alles, aber für Jemanden, der bei Krautrock eher zu Grobschnitt (als Ex-Hagener natürlich Pflichtprogramm), Eloy, Triumvirat, Pell Mell, Hölderlin etc. gegriffen hat und bei dem Bands wie Guru Guru, Embryo usw. nicht ins persönliche Beuteschema passten, lässt sich doch Einiges an positiver Überraschung festhalten. Es muss nicht alles gefallen, aber das Album hat viele recht gelungene, interessante Kompositionen zu bieten.
Bewertung: 9/15 Punkten
Tracklist:
- Sunrise Is Everywhere (2:57)
- Chicken Rock (3:14)
- It’s Your Turn (7:19)
- Walking, Eating My Hot Dog (3:41)
- Fly Easy (2:35)
- From Another World (9:49)
- Woodpecker’s Dream (Ein Märchen aus dem Ulfenbachtal) (8:52)
- 1, 2, 3, 4, Marsch’n’Rock (1:36)
- Drink Wine (2:15)
- From Another World – live [Bonus] (9:21)
Besetzung:
Von Guru Guru:
• Mani Neumeier – drums / percussion / baby piano / Maniscope / special sounds / “master sound hunter” / gongspiel / kalimba / vocals / producer
• Sepp Jandrisits – acoustic guitar
• Jogi Karpenkiel – bass
Von Kraan:
• Helmut Hattler – bass / choir
• Peter Wolbrandt – guitar / vocals
• Jan Fride – tumbas / percussion
Von Karthago:
• Ingo Bischof – electric piano / moog synthesizer / choir / bongos
• Tommy Goldschmidt – congas / percussion / choir
Von Harmonia:
• Moebi Moebius – synthesizer
• Achim Roedelius – organ
Weitere Gäste:
• Gerd Dudek – tenor sax / flute
• Champion Jack Dupree – piano / vocals
• Christa Fast – voice
• Ax Genrich – guitar
• Conny Planck – “Swine” guitar / voice / engineer
• Klaus Walz – guitar on live version of “From Another World”
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Abbildungen: MiG Music