Green Carnation - A Dark Poem, Part II: Sanguis

Green Carnation - A Dark Poem, Part II: Sanguis (Season Of Mist, 03.04.2026)
Progressive Rock • Doom • Dark Metal
(37:16; Vinyl, CD, Digital; Season Of Mist, 03.04.2026)
Green Carnation liefern mit „A Dark Poem, Part II: Sanguis“ den zweiten Teil ihrer auf drei Akte angelegten Ophelia-Seelenreinigung. Nach dem Pathos und der nordischen Melancholie von „A Dark Poem, Part I: The Shores Of Melancholia“ geht es hier tief nach innen – sehr weit nach innen.

Schon der Titeltrack ‚Sanguis‘ macht klar: Das hier ist keine launige Fjord-Spaziergang, sondern Gruppentherapie mit Verstärker. Hammond-Sounds und Kjetils melancholischer Gesang dominieren, deftige Riffs und ein Gitarrensolo im ersten Drittel bringen Dynamik über mehr als neun Minuten. Growls tauchen punktuell im Hintergrund auf und unterstreichen die Emotionen, ohne aufzudrängen.

‚Loneliness Untold, Loneliness Unfold‘ wirkt fragil und introspektiv, gesungen von Bassist Stein Roger Sordal. Balladesk und ruhig, benötigt es keine große Dynamik – die Schlichtheit passt perfekt. Im Gegensatz dazu kracht ‚Sweet To The Point Of Bitter‘ nach vorne: messerscharfe Riffs treffen auf melodischen Gesang, der Refrain sitzt mit seiner eingängigen Hookline. ‚I Am Time‘ ist die zugängliche Single mit ultraeingängiger Melodie auf Gitarre und Gesang.

‚Fire in Ice‘ groovt auf schwerem Bass und dichten Riffs, während ‚Lunar Tale‘ meditative Ruhe ausstrahlt, Piano, Streicher und Ingrid Oses Flöte ins Zentrum rücken.

Musikalisch bewegt sich „Sanguis“ souverän zwischen Doom, Retro Prog und nordischer Melancholie. Green Carnation verzichten auf den schnellen Effekt und liefern ein Album, das sich einschleicht, ernst genommen werden will und immer wieder emotional überrascht.

Mutig, konsequent und manchmal anstrengend – wer nur Melancholie zum Mitwippen sucht, ist hier falsch; wer vertonten inneren Frieden nach 50 Jahren familiärem Chaos hören will, wird belohnt.
Bewertung: 13/15 Punkten


"Green Green Carnation - A Dark Poem, Part II: Sanguis (Season Of Mist, 03.04.2026)
Kjetil Nordhus – Gesang
Stein Roger Sordal – Bass, Rhythmusgitarren, Leadgitarren, Keyboards, Leadgesang auf ‚Loneliness Untold, Loneliness Unfold‘
Bjørn Harstad – Leadgitarren, Effekte
Endre Kirkesola – Keyboards, Synthesizer, Orgel, Effekte, Backing Vocals auf ‚Lunar Tale‘
Jonathan Alejandro Perez – Schlagzeug

Gastmusiker:
Ingrid Ose – Flöte auf ‚Lunar Tale‘

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Season Of Mist zur Verfügung gestellt.tellt.