Fälaren - Ljora

Folkgaze
(40:17; Vinyl, CD, Digital; Apollon Records; 26.03.2026)
„Ljora “bezeichnet eine Öffnung, durch die Rauch entweicht und Licht hereinfällt. Sie verkörpert den Übergang von Dunkelheit zu Licht, von Depression zu Hoffnung oder von Winter zu Frühling. Mit ihrer Musik möchte die junge norwegische Band ihre rituellen Hymnen subtil und unbewusst positiv auf den Zuhörer wirken lassen.
Folkgaze als selbsternannte Klassifizierung gefällt mir als „Zwischen-den-Genres-Suchendem“ schon fürs Erste richtig gut und darf so nach mehrmaligem Hörgenuss unbedingt eingeparkt werden.
Für ein Debüt läuft „Ljora“ wundervoll sphärisch, mit Fuzz und viel Neo-Psychedelia durchs Gemüt – integriert melodiöse Pop-Allüren, aber auch wabernd driftende Jam-Momente.
Dadurch atmet und fließt der Sound, legt sich nie ganz fest, bleibt aber in einem durchgehend engen atmosphärischen Kreislauf. Das kommt mir entgegen, denn so finde ich sehr schnell in die trippigen Gitarrensounds hinein.
‚Ruinam‘ vereint als Opener das Leichte und Groovige des sanften Psych Pop von The Amazing mit den indielastigen Motorpsycho-Tagen – fährt mit sanfter Wehmut in den Vocals schon mal ordentlich Berg und Tal mit der Sensorik. Ich mag den perlenden Gitarrensound, der gelegentlich schön lo-fi rockt und fuzzt – selbst ein paar Bläser dürfen, typisch norwegisch, etwas Artrock in die Frequenz hineinzaubern.
Das instrumentale, leider zu kurze ‚Leilani Pt. 1‘ ist wundervoll sanftmütiger Progressive Rock – perlt wie Anekdoten oder melancholischer Camel – und findet mit seinem ‚Pt. 2‘ eine liebreizende, ebenfalls gesanglose Fortsetzung, die allerdings um einiges rockiger und lichtvoller ausfällt. Der Sound ist erneut maximal organisch in Szene gesetzt, wummert mit ordentlich Bass – die Gitarren sind verspielt und perlen wie verrückt gewordene Insekten an einem lang ersehnten Frühlingsmorgen über die Wiese.
‚Skækkent‘ läuft knapp acht Minuten – findet mit leisen und aufgeputschten Heavy-Fuzz-Passagen genug Platz, um sämtliche Schattierungen des modernen progressiven Alternative-Œuvres zu durchpflügen. Schwerelose Fuzz-Momente – nicht perfekt, dafür emotionale Vocals – pushen sich in ‚Convallia‘ durch driftende Post-Rock-Passagen.
Auch hier wird Abwechslung großgeschrieben, und ebenso wie ihre berühmten Landsleute von Motorpsycho treffen sich alternativer Rock und Prog auf einer Stufe – wunderbar, wie der Song mit epischem Outro in die namenlose Weite driftet.
Im längsten, fast neunminütigen ‚Molthra‘ wabert und phrasiert man ungeniert durch ein Meer an kratzigen Gitarrenschleifen – Downbeat-Rhythmik, funky Psych und ein einfaches Sich-Gehen-Lassen machen auch diesen Trip/Jam zum liebevollen Ausklinker. ‚Velora‘ beschließt die Platte mit schrägen Vocals, etwas Noise auf den Gitarren – aber am Ende doch immer vorsichtig hymnisch und maximal lo-fi.
Mir ging dieses liebevoll berauschte Debütalbum schnell und direkt in die Synapsen, sind die proggig-postigen Fuzz-Schübe doch so typisch norwegisch. Mit dem liebgewonnenen Hauch Melancholie, der omnipräsenten Lust auf originelle Kauzigkeit und musikalischer Finesse ist diese Art proggiger Folkgaze ein feines skandinavisches Kleinod.Mit dem liebgewonnenen Hauch Melancholie, der omnipräsenten Lust auf originelle Kauzigkeit und musikalischer Finesse ist diese Art proggiger Folkgaze ein feines skandinavisches Kleinod.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records zur Verfügung gestellt.