35 Tapes - Veil On Life

Progressive Rock • New Artrock
(40:29; Vinyl, CD, Digital; Apollon Records; 30.04.2026)
Irgendwo zwischen Pink Floyd, Oak, Gazpacho, RPWL und Laughing Stock spielen die Norweger von 35 Tapes ihren friedvollen, immer etwas sanftmütig-melancholischen Prog-Sound.
Top produziert, gediegen, vorsichtig dramatisch, mit vielen schönen Melodiebögen, einem vorsichtigen Pathos, der nicht zu sehr in die Schmerzpunkte wie meinetwegen bei den Landsleuten von Airbag hinein möchte. Traditionell elegische Seventies-Momente, lyrischer Prog, Mellotron und eine Dramatik, die niemals zu viele Brüche konstruiert.
Ich finde mich auch hier wieder sehr schnell in die handwerklich gut auf den Punkt produzierten Stücke hinein, lässt die Band offensichtlich auch jeden Hauch Experimentieren draußen – zu proggige Berg-und Talfahrten finden sich auch auf „Veil On Life“ nicht. Die vielen mehrstimmig arrangierten Songs laufen ohne jegliche Überforderung am Stück durch, werden Freunde des klassischen Oldschool Prog genau wie Liebhaber des modernen Artrock ansprechen, atmet die Musik diesen speziellen Hauch an Schwermut, der nicht in die komplette emotionale Talfahrt führen mag.
Feine Gilmour-Gitarren – jederzeit ein gut herausstechend intonierter Bass – so weiß der konservative Hörer innerhalb des Genres hier sofortigen Zugang zu finden. ‚Hallway‘ nutzt Orgel, schwere Riffs und einen wunderschön fragilen Refrain, der mit superben Melodien und typisch skandinavischen Arrangements (ich sag nur Anekdoten und Co.) zu berühren weiß. ‚Waters‘ schleicht ebenfalls mit wehmütigen Akkorden, Mellotron und verträumten Bass-Motiven durch die Landschaft, lässt Camel und frühe sehnsüchtige Genesis-Tunes aufblitzen.
Sänger Jarle klingt einfach nur angenehm, hat viel von Yogi Langs erzählerischen Machart (RPWL). Diese etwas düsteren, langgezogenen Sound-Effekte werden für Freunde der atmosphärischen Steven Wilson-Gänsehaut-Momente ein gefundenes Fressen darstellen. Perlendes Piano, sanfte Synths in ‚Brisé Volé‘ erzeugen filigran-cineastische Frequenzen – ein Kristoffer Gildenlöw hat genau mit dieser Art Sound zuletzt für Furore gesorgt. Auch ‚Borrowed Time‘ musiziert mit schönen Echo-Effekten, schafft vorsichtige Dynamik-Verlagerungen, ohne den ganz großen emotionalen Kick zu generieren. Viel Porcupine Tree und mehrstimmig rockige Parts definieren mein Highlight ‚Clueless‘.
Mir gefällt auch diese neue Platte der Norweger, die kein Meisterwerk darstellt. Dafür musiziert alles in sechs- bis achtminütigen Songs elegisch, meist langsam und vorsichtig dramatisch dunkel und weiß gerade für den Freund des skandinavischen Prog mit etwas melancholischer Atmosphäre hier und da feine Berührungspunkte herzustellen.
Bewertung: 11/15 Punkten
Besetzung:
• Jarle Wangen – bass, guitars, vocals
• Morten Lund – guitars, keyboards, vocals (producer)
• Jo Wang – keyboards, Therevox
• Andreas Eriksen – keyboards, percussion
• Kai Lundewall – drums, vocals
• Frank Lewis – live sound, recording engineer, guitar amps, circuit wizard
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records zur Verfügung gestellt.
