Weedpecker - V

Heavy Psych • Shoegaze • Progressive Rock
(40:33; Vinyl, CD, Digital; Heavy Psych Records, 27.02.2026)
Die polnischen Weedpecker beheimaten bereits mit ihren Vorgängern meinen Vinyl-Schrank. Ich durfte die Band vor Jahren auf dem gemütlichen Blue Moon Festival in Cottbus erleben und die Mischung aus Prog, Space Rock und allerhand schwebendem Rock war in dieser abendlichen Atmosphäre ein Genuss.
Diese Nummer „V“ hat einen kraftvollen, gleichzeitig butterweichen, groovy Sound – versprochen. Sie federt leichtfüßig dahin: Bass- und Drum-Sound schwirren umarmend durch den Äther, während sanfte, aber zupackende Heavyness und gemütlich ausladende Rhythmen nach dem kosmischen Intro gleich vollumfänglich ans Gemüt greifen.
‚Fading Whispers‘ bekommt elf Minuten Zeit, Dich in den Orbit zu beamen – und es braucht nicht viel, um loszulassen. Der schwere, vollmundig bassige Groove erinnert mich aufs Positivste an einen meiner anderen Faves: den Somali Yacht Club. Auch hier werden mehrstimmige Vocals nur temporär, dafür umso gezielter eingesetzt. Gitarren, wohin man schaut – und mit diesen kosmischen Tunes koppelt man so richtig schön ab. Gezielte, sehr stimmungsvolle Synths paaren sich mit klassischen Vintage-Rock-Riffs – nur dass hier alles immer ein paar Meter über dem Boden zu schweben scheint.
Mit ‚Ash‘ driftet man anfangs durch ein unendliches Sternenmeer – etwas alte Space-Rock-Attitüde à la Steven Wilson/Porcupine Tree Mitte der 90’s trifft’s ganz gut.
Tempo muss bei den Polen überhaupt nicht– lieber wogt die Band in einem weiten, offenen Meer, integriert progressive Strukturen und ausladende, sehr epische Dramaturgien. Gezielt tauchen dicke Synths-Spuren kurzzeitig auf, die Nähe zum Postrock oder gar Shoegaze (ohne Pop) stellt der ätherische Gesang hier und da auch wie von alleine her.
‚In The Dark We Shine‘ taucht dann richtig tief ins Wattenmeer ein: ein sanft vibrierender Bass, kosmische Synths, gehauchte Shoegaze-Vocals und viel Space Rock ergeben puren Eskapismus – all das in nicht einmal fünf Minuten. Pure Verschwendung!
Das laute, progressiv verschachtelte Metal-Stück ‚Mirrors‘ stellt sich dann ob seiner Post Metal-Attitüde (Karnivool trifft Long Distance Calling) fast wie ein Weckruf dar: dicke Riffs, mehr Up-Tempo und jede Menge Rhythmusdynamik. Zum Glück wissen die eher sanften Vocals und schwebenden Synths zwischendrin erneut ein Nebelmeer heraufzubeschwören.
Der surreal-perlende Abschluss ‚The Last Summer Of Youth‘ ist die berühmte Kirsche auf der Sahnetorte – viel schöner und lieblicher kann man nicht schweben. Feinster Shoegaze, kosmische New-Artrock-Instrumental-Parts wie zu besten Anekdoten-Zeiten, Space Rock und transzendente Wohlfühl-Melodien nebst Sitar schieben Dich nochmal maximal weit raus – der Titel allein zeichnet bereits das Bild.
Tolle Platte, diese „V“: zwischen atmosphärischem Progressive Rock, mal kraftvollem, mal verträumtem New-Artrock und schwerer Space-/Shoegaze-Patina – genauso liebe ich die Nische, und ein dichtes Sound-Korsett ist für Gourmets inklusive.
Bewertung: 12/15 Punkten
Besetzung:
• Piotr Dobry – guitars, vocals, synths
• Zbigniew Promiński – drums
• Piotr Kuks – bass
• Piotr Sadza – synths
• Tomasz Walczak – synths
Surftipps:
• Bandcamp
• YouTube
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Abbildungen: Bandcamp/Weedpecker