Versa - A Voyage / A Destination - Round Trip Special Edition
New Artrock • Progressive Rock • Cinematic Post Rock • Folk
(53:36, 59:58, 69:02; 2-CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 06.03.2026)
Dieses kanadische Projekt ist musikalisch maximal ambitioniert und präsentiert zum 20-jährigen Jubiläum seine letzten beiden Veröffentlichungen aus 2022 und 2024 in einer Special-Edition, zusammen mit gehörig alternativem Bonus-Material.
War ich ob der spannenden Gästeliste/Vocal-Prominenz auf ein maximal progressives Rock-Album eingestellt, muss ich hier vorweg gestehen: Dieses Album ist so viel mehr als nur das – es ist der atmosphärische Wahnsinn schlechthin und definitiv eine der beeindruckendsten Reisen im musikalischen Sinne überhaupt zuletzt.
Mit zwei bis drei Durchgängen ist hier nichts – die Masse an Ideen und Details, das durchgehend hochwertige Song-Material braucht gehörig Anlauf, und es offeriert sich eine Welt, bei der ich jetzt schon von einer der persönlichen Entdeckungen des Jahres sprechen mag. Klassisch symphonischer Prog, episch-melancholischer Post Rock, anspruchsvoller Modern Classical, Jazz, Indie-/Alternative-Dynamiken, Folk-Passagen und immer wieder wunderschöne Melodien zuhauf.
Jeder Fan progressiver Klänge – bitte, es gilt diese beiden Platten zu entdecken! Kann ich mit verkopftem, klassischem Prog nicht so viel anfangen, gelingt es den Musikern in Sachen Atmosphäre, Bildsprache und Melodien ein Fass an Emotionen aufzumachen, welches trotz mannigfaltiger Komplexität so beseelt daherkommt, dass ich einfach nie genug davon bekomme.
Konzeptionell ausgeklügelt – ja, komplex – ja, progressiv und verschachtelt – ja!
Aber: Alles fließt, alles atmet, alles berührt und wirft mit Farben und Bildern nur so um sich, dass man ob der Ideenfülle erstmal sortieren und justieren muss. Ist man in den Stimmungen/Arrangements angekommen, offenbaren sich wunderschöne Hörmomente, die mit tiefer Verbeugung in den elegisch-barocken Sound der frühen 70’s zurückblicken. All das wird mit so viel verschiedenen Einflüssen aufgemischt, angereichert und die Aha-Momente fliegen einem dabei nur noch so um die Ohren.

Emotionen sind hier immerzu das Stichwort – sie bekommen den gleichen Raum wie das Virtuose im Spiel. Genau diese Verschmelzung schafft eine filmreife, intensive Atmosphäre, die aus meiner Sicht ihresgleichen sucht.
Streicher-/Orchester-Arrangements, unglaubliche Chöre, herzallerliebste Folk-Passagen, mehrstimmige Arrangements, lyrischer Prog mit Flöten und Sensitivität, Fanfaren, treibend melancholische Rock-Passagen, pastoraler Post Rock und hier da proggy – Herz, was willst Du mehr?
Ob alte Genesis, Emerson, Lake and Palmer, King Crimson, Anathema, Porcupine Tree, elegische Oceansize, Gazpacho – generell all das schöne im modernen wie klassischen Artrock wird in ausufernden Arrangements vorm Hörer ausgebreitet, und es ist qualitativ wie quantitativ so unendlich viel enthalten. Ich möchte nicht in die einzelnen Songs rein, es gibt so viele großartige Momente und dann finde ich kein Ende mehr in dieser Rezension. Allein die Kombination der Gitarren und Streicher in ‚Breaking & Entering‘, ich gehe in die Knie – einfach nur unglaublich und nicht von dieser Welt.
Mannigfaltig berührende Momente – lachen und weinen in der selben Sekunde – so feinfühlig ist mancher Gitarren-Akkord, so anmutig manche Piano-Passage. Klingt pathetisch, kitschig, aber die Gefühlspalette wird hier auch hoch und runter gejagt. Aus meiner persönlichen Sicht werden hier zwei Album-Meilensteine zusammengeführt und man kann sich stundenlang daran satt hören. Ist der erste Teil von 2022 mit Stücken von bis zu 25 Minuten noch etwas traditioneller/konzeptioneller im Prog verhaftet, lösen sich die Strukturen im zweiten Teil um einiges mehr auf.
Kein anstrengendes Gefrickel, keine Selbstdarstellung, keine nervenden Vocals – nur Schönheit in Musik gegossen, und wieder mal denke ich: Egal wie kaputt so Manches da draußen erscheint – Musik erhebt und die Seele vibriert auf wundersame Weise, höre ich Alben wie diese. Diese Songs gehören in ein Theater, eine spezielle Location – tausend Dank für dieses einfach nur glücklich machende Paket progressiver Klänge.
Bewertung: 14/15 Punkten

Besetzung:
• Matthew Dolmage – Multi-Instruments
• Hollas Longton – Violinist & Composer
• Jesse Bell – Drums and Multi-Instrumentalist
• Janelle Wrona – Keys&Guitars
Gastmusiker:
• Jim Grey
• Sam Vallen
• Nick D’Virgilio
• Marjana Semkina
• Eric Gillette
• Ross Jennings
• Lars Fredrik Frøislie
• Kelly Nordstrom
• Michael Trew
Surftipps:
• Linktree
• Bandcamp
• YouTube
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Bad Dog Promotions zur Verfügung gestellt.