Puscifer - Normal Isn't

Puscifer - Normal Isn't (Puscifer Ent./Alchemy Recordings/BMG; 06.02.2026)
Dark Rock • Art Rock • Post Punk
(54:59; Vinyl, CD, MC, Digital; Puscifer Ent./Alchemy Recordings/BMG; 06.02.2026)
Allein schon wenn man die Cover-Artworks der ersten beiden Puscifer-Alben – „“V“ Is For Vagina“ (2007) und „Conditions Of My Parole“ (2011) – mit jenem des aktuellen Albums „Normal Isn’t“ vergleicht, drängt sich eine Frage auf: Wo ist eigentlich der Humor geblieben?

Die Antwort lautet: Er ist noch da. Er hat sich nur umgezogen. Schwarz. Mit Hang zu Sarkasmus, Galgenhumor und einer gewissen gesellschaftlichen Grundgenervtheit.

Das Projekt von Maynard James Keenan – nebenbei auch Stimme von Tool und A Perfect Circle – hat sich über die Jahre nämlich spürbar gewandelt. Haftete den frühen Veröffentlichungen noch eine fast schon alberne Leichtigkeit an, präsentiert sich „Normal Isn’t“ deutlich schwergewichtiger. Düsterer Synth-Rock, Post-Punk-Anleihen und kantigere Gitarren bestimmen das Bild – ganz im Sinne von Co-Mastermind Mat Mitchell, der die Leitplanken diesmal bewusst entfernt wissen wollte.

Der Opener ‚Thrust‘ braucht zunächst ein paar Umläufe, um sich zu entfalten. Doch mit jedem weiteren Durchgang wächst der Song beinahe exponentiell – bis man irgendwann feststellen muss, dass man es hier heimlich mit einem ziemlich fiesen Killertrack zu tun hat.

Unverändert großartig bleibt das Zusammenspiel der gegensätzlichen Stimmen von Keenan und Carina Round. Zwischen gothiger Melancholie, pulsierenden Synths und latent grantiger Eleganz entfaltet sich ein Cocktail aus Sarkasmus, schwarzem Humor und sozialkritischer Beobachtung. Zeilen wie

Trying not to murder’s is a daily fucking battle

oder

Still navigating triggers, oh serenity, tranquility, our desires, please tame this fire

wirken zunächst herrlich überspitzt – treffen aber leider ziemlich präzise den Nerv einer Gegenwart, die sich selbst längst nicht mehr besonders normal anfühlt.

Dass im kreativen Maschinenraum dieses Projekts ohnehin leicht anarchische Zustände herrschen, bestätigt Sängerin Carina Round selbst:

Bei Puscifer kann sich jede Idee völlig verändern, ohne dass sie an Wert verliert, und alle machen mit – ähnlich wie in einer Irrenanstalt. Ich glaube, um diesen Job zu machen, muss man ein bisschen seltsam sein. Wir haben uns gefunden, weil wir auf symbiotische Weise verrückt sind.

Auch die Gastmusiker dürfen glänzen und verfeinern die Platte spürbar. Im Titeltrack liefert sich Basslegende Tony Levin mit Greg Edwards ein kleines, aber feines Tiefton-Duell. Und in ‚Seven One‘ sorgt Keanans Tool-Kollege Danny Carey mit seinem charakteristisch verschachtelten Schlagzeugspiel dafür, dass sich zu der Erzählung von Ian Ross – (Sohn von Nine Inch Nails Atticus Ross) und Maynards leicht roboterhafter Stimme eine geradezu hypnotische Atmosphäre entwickelt.

Am Ende bleibt also die Erkenntnis: Während andere Bands verzweifelt versuchen, relevant zu bleiben, beobachten Puscifer lieber mit spitzer Feder das Chaos der Gegenwart – und vertonen es mit süffisantem Grinsen.

Denn eines steht fest: Normal war hier ohnehin noch nie irgendetwas.
Bewertung: 12/15 Punkten


Tracklis:

  • ‚Thrust‘ (5:15)
  • ‚Normal Isn’t‘ (4:45)
  • ‚Bad Wolf‘ (4:51)
  • ‚Self Evident‘ (4:01)
  • ‚A Public Stoning‘ (6:25)
  • ‚The Quiet Parts‘ (4:49)
  • ‚Mantastic‘ (4:28)
  • ‚Pendulum‘ (5:16)
  • ‚ImpetuoUs‘ (5:20)
  • ‚Seven One‘ (5:35)
  • ‚The Algorithm (Sessanta Live Mix)‘ (4:15)

Puscifer - Normal Isn't (Puscifer Ent./Alchemy Recordings/BMG; 06.02.2026)
Credit: Travis Shinn

Besetzung:
Maynard James Keenan – Gesang
Carina Round – Gesang, Gitarre, Keyboards, Percussion
Mat Mitchell – Gitarre, Bass, Keyboards, Synthesizer, Programming

Gastmusiker:
Tony Levin – Bass
Greg Edwards – Bass, Gitarre
Danny Carey – Schlagzeug
Ian Ross – Erzähler / Spoken Word

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Starkult zur Verfügung gestellt.