Paper Crown - Letters

Art Pop • Indie Pop • Pop Rock
(45:20; Vinyl, CD, Digital; Apollon Records, 06.03.2026)
Man kann über Pressetexte sagen was man will – meistens liest man sie, nickt höflich und vergisst sie sofort wieder. Im Fall von Paper Crown und ihrem dritten Album „Letters“ ist das etwas schwieriger. Denn leider stimmt vieles davon. Das Duo um Gitarrist, Produzent und Songwriter Ørnulv Snortheim sowie Sängerin und Texterin Johanne Kippersund (die man sonst von Meer kennt) hat hier tatsächlich ein Album geschaffen, das mit viel Geduld, Liebe zum Detail und spürbarem handwerklichen Ehrgeiz entstanden ist. Aufgenommen wurde das Ganze im Dakkota Studio in Hamar, unterstützt von Drummer Børre Flyen und gelegentlichen Violintexturen von Aud Ingebjørg Barstad. Klingt alles sehr ordentlich – und ist es auch.
Musikalisch strahlt „Letters“ eine warme Studioästhetik aus und erinnert melodisch an die Pop-Rock-Sensibilität der 90er. Viel Luft in den Arrangements, klare Gitarrenlinien, organische Instrumentierung. Und tatsächlich: Für Popmusik passiert hier erstaunlich viel. Vor allem unter Kopfhörern entdeckt man ständig kleine Details, die sich erst beim zweiten oder dritten Durchlauf bemerkbar machen.
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Und doch bleibt ein kleiner Haken. Vielleicht ist ‚Letters“ einfach ein bisschen zu süß geraten. „Seicht“ wäre unfair – dafür passiert musikalisch zu viel –, aber im Vergleich zur Hauptband der Sängerin fehlt hier ein wenig das, was Meer so faszinierend macht: Ecken, Kanten und musikalische Stolpersteine, an denen sich der Verstand festbeißen kann, ohne gleich das Hörgerät zur Wahrnehmungsverstärkung bemühen zu müssen. Das gewisse etwas Meer eben.
Das heißt allerdings nicht, dass die Platte keine Wirkung hätte. Im Gegenteil: „Letters“ verbreitet mit seinen zwölf Kleinoden eine ziemlich angenehme, fast tröstliche Stimmung. Im Livekontext – etwa in einem kleinen Venue, wie auf der jüngsten NRW-Tour – hätte mich das vermutlich sofort abgeholt. Zuhause dagegen fehlt manchmal die richtige Atmosphäre und vielleicht auch ein wenig Geduld.
So bleibt am Ende ein Album, das mich mit seinem ruhigen, bedächtigen Art Pop einerseits leicht überfordert – und andererseits trotzdem fasziniert. Ein seltsamer Zustand, aber vermutlich genau der, den Paper Crown hier beabsichtigt haben.
Bewertung: 10/15 Punkten

Besetzung:
• Ørnulv Snortheim – Gitarre, Songwriting, Produktion
• Johanne Kippersun – Gesang, Lyrics
Gastmusiker:
• Børre Flyen – Schlagzeug
• Aud Ingebjørg Barstad – Violine
Surftipps:
• Bandcamp
• YouTube
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records zur Verfügung gestellt.