Near The Parenthesis - Relative Minor

Electronica • Cinematic Post Rock • Ambient • Modern Classical
(44:01; Digital; Eigenveröffentlichung; 23.01.2026)
Hatte ich mich gerade an der „Falter“ von Spray Theories erfreuen dürfen, gibt es mit dem Projekt von Tim Arndt aus San Francisco erneut Qualitätsarbeit in Sachen instrumentaler elektronischer Musik.

Near The Parenthesis gibt es auch schon locker 15 Jahre und diese Musik arbeitet auch mit fließend-verträumten Soundcollagen, Momentaufnahmen, zerbrechlichen Konturen, Bildern von Rückzug und liebevoller Melancholie.

Viele Jahre veröffentlichte der Musiker auch auf dem Qualitätslabel n5MD, aktuell gibt es die neue Veröffentlichung wohl als komplettes Eigengewächs.

Diese stille, introvertierte Musik – zwischen Ambient, Electronica und Modern Classical – ist jederzeit, genau wie oben benannte Spray Theories, ein sanftmütiger, vorsichtiger Begleiter, ein Soundtrack für die maximale Entschleunigung. Perlende Electronica, vibrierende Bässe, schimmernde, postrockige Flimmermomente – ohne Beats, Loops oder vordergründigen Rhythmus.

Von reiner Hintergrundbeschallung, gar Ambient zu sprechen, würde den scorelastigen Kulissen niemals gerecht werden. Auch hier wird mit Emotionen, vorsichtiger Dynamik und wunderschönen, verletzlichen Tönen am Gedankenkorsett des Hörers genestelt.

Höre ich exemplarisch ‚ThreeFive‘ oder ‚Verge‘ – der suchende Klang, die Unruhe und der Schmerz sind auch hier nicht zu leugnen. Definitiv auch auf diesem Album – ohne in die maximale Traurigkeit des PieterNooten Release zu verfallen – dürfen die schemenhaften Flächen und Projektionen Tiefgang generieren. Mich hat dieses Projekt schon immer vollumfänglich abgeholt, musiziert der Ami doch schon jahrelang auf höchstem Niveau.

Das relative Moll erweist sich damit als eine besondere Tonart, die – in diesem Fall – Freunden instrumentalen Schönklangs ein weiteres Kleinod beschert. Die knappe Dreiviertelstunde gerät zur puren Kontemplation: ein sanftes In-sich-Zurückschreiten, ein Vor-sich-hin-Träumen, das Emotionen berührt, ohne den ganz großen Schmerz zu suchen. Wie schon bei den vielen wertigen Vorgängern findet sich auch hier wieder absolute Qualität im Sound of Silence.
Bewertung: 12/15 Punkten


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Abbildungen: Near The Parenthesis/Bandcamp