Metropole Orkest - Arakatak

Metropole Orkest - Album ArakatakJazz • Big Band • Cinematic Prog
(56:00; Vinyl, Digital; V2 Records/Bertus Musikvertrieb; 06.03.2026)
Radio Hilversum! Das ist die Quelle dieses Orchesters, das 1945 in der Nachkriegszeit gegründet wurde, um dem Niederländischen Volk „leichte (im Gegensatz zu klassischer) Musik auf hohem Niveau“ zu bieten. Ursprünglich derer 36, sind es heute 50 Musiker, die in einer damals noch als kurios angesehenen Formation von einer symphonischen Streichersektion kombiniert mit Holzbläsern und einer Big Band spielen. Nun spielt dieses Orchester seit bereits 80 Jahren auf europäischen und internationalen Bühnen. Was anfänglich ein Radioorchester für Tanzmusik oder auch ein Eventorchester wie zum Beispiel für den Niederländisch gehosteten ESC begann, ist heute ein modernes Orchester für niveauvolle Fusionmusik in Kooperation mit bekannten Künstlern. Oder auch ein buchbares, universell einsetzbares Profi-Orchester für Tourneen. Sehr schön am Tourneekalender auf deren Website zu lesen.

Ja, das liebe Geld war bei der Diversifizierung der musikalischen Bandbreite sicher auch ein Argument. Denn von 1945 bis 2013 wurde das Orchester vom Radiosender (Radio Hilversum!) bzw. Fördergeldern finanziert. Dann übernahm eine Stiftung die Finanzen und seitdem wird das Orchester immer mehr von den eigenen Einnahmen getragen, wobei aber auch Stammtermine bei vielen Jazzfestivals nie verpasst werden.
Natürlich sind Finanzen nur der lästige Part, der künstlerische findet sich in den Visionen der Dirigenten des Orchesters. Hierzu empfehle ich eine kurze Lektüre auf der offiziellen Website des Orchesters mit Vorstellung der verschiedenen Dirigenten, und sogleich lässt sich die Vision der grenzsprengenden Zusammenarbeit mit Musikern aller Stilrichtungen sehr gut nachvollziehen.
Metropole Orkest - Orchestra picture

Mit dieser Vision, leichte (also nicht klassische) Musik mit einem professionellen Orchester zu spielen und dabei immer musikalische Grenzen auszuloten, wurde das Album „Arakatak“ zum 80-jährigen Bestehen komponiert und eingespielt. Acht Stücke wurden von acht verschiedenen Musikern komponiert, die sehr unterschiedlich im Charakter sind, aber sich doch zu einem Ganzen zusammenfügen. Natürlich ist alles einzuordnen in der großen Schublade mit Aufklebern wie Cineastischem Progressiven Jazz oder anderen kreativen Genreschöpfungen. Aber es klingt verdammt gut, die Solisten sind großartig, die Arrangements meisterhaft und die Kompositionen wie gesagt verschieden genug, dass es nie langweilig wird – was bei Instrumentalalben schon mal passieren kann.

1. ‚Arakatak‘ (komponiert vom Hornisten Morris Kliphuis)
2. ‚Bright Lights And Jubilations‘ (Vince Mendoza -Ehrendirigent/Arrangeur)
3. ‚Luminosity‘ (Donny McCaslin – Saxophonist/Produzent)
4. ‚Splash The Colors‘ (Miho Hazama – Dirigentin/Komponistin)
5. ‚Into The Dawn Of Light‘ (Tineke Postma – Saxophonistin)
6. ‚The Most Important Question‘ (Mark Guiliana – Schlagzeuger)
7. ‚Crown Jewels‘ (Shai Maestro – Pianist)
8. ‚Doesn’t Matter‘ (Louis Cole – Komponist)

Produziert wurde das Album nur in Digital oder Vinyl.
Aber wenn wir schon über Grenzen sprechen: Zusätzlich zu dem Hörerlebnis erfreuen sich auch die Augen:

das Video zum Titelsong ist richtig toll. Ähnlich begeistert haben mich bisher nur Steven Wilsons videos (The Raven oder Drive Home )

Des Weiteren wurde die Premiere dieses Albums als 3D-Live-Event zelebriert, cineastisch und immersiv und dazu bekam jeder Gast auch eine Doppel-LP. Ein letztes Detail, das mich als aktive Vereinsmusikerin wirklich beeindruckt hat: Das Orchester hat eine Nachwuchsakademie und bietet so jungen Talenten die Chance, Musik aller Genres auf hohem Niveau zu spielen – und ganz nebenbei natürlich Nachwuchsmusiker rekrutieren.

Fazit: Moderner, abwechslungsreicher Big Band Sound aus unserem Nachbarland, den ich durchaus progressiv nennen würde.
Bewertung: 12/15 Punkten


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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von V2 Records zur Verfügung gestellt.