Matthew C. Whitaker - Songs For The Weary

Matthew C. Whitaker - Songs For The Weary (Cosmic Dross Records; 13.02.2026)
Crooner Pop • Lounge Pop • Jazz Pop
(23:50; Vinyl (10″), CD, Digital; Cosmic Dross Records; 13.02.2026)
Manch ein Musiker scheint an einer Art künstlerischer DIS – Dissoziativer Identitätsstörung zu leiden. Anders lässt sich kaum erklären, wie jemand gleichzeitig der außerirdische Synth-Guru einer Band sein kann, die sich selbst „Cosmic Dross“ auf die Fahnen schreibt, und dann plötzlich geschniegelt im Retro-Smoking auftaucht, um Crooner-Nummern zu singen, die irgendwo zwischen Salon, Cocktailbar und gepflegter Sonntagnachmittag-Melancholie pendeln. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich Matthew C. Whitaker – der Mann, der bei Henge als Zpor angeblich vom Planeten Agricular stammt und ansonsten offenbar heimlich die Plattensammlung von Frank Sinatra studiert.

Auf ‚Songs For The Weary“ zeigt Whitaker nun seine zweite Persönlichkeit: den leicht melancholischen Lounge-Crooner, der empfiehlt, dieses Album am besten bequem im Sessel, Sitzsack oder gleich in der Badewanne zu hören. Ein Rat, der weniger esoterisch ist, als er klingt – denn diese Musik funktioniert tatsächlich am besten als wohltemperierte Hintergrundwärme.

Die Songs selbst halten sich angenehm kurz mit großen Gesten auf. ‚Mind How You Go‘ ist eine lullabyartige Warnung aus der Perspektive einer besorgten Mutter. ‚Chestnut Tree‘ schwelgt in nostalgischer, fast demonstrativ altenglischer Gemütlichkeit.

‚Lucid Dreamer‘ bringt orchestralen Crooner-Pomp mit ein paar verträumten Elektronik-Sprenkeln – irgendwo zwischen Andy Williams, Engelbert Humperdinck, nur leicht modernisiert.

Die zweite Hälfte bleibt stilistisch ähnlich: ‚Logan Stone‘ schielt Richtung Bossa Nova, der Titeltrack ‚For The Weary‘ wird zum würdevollen Cowboy-Jazz mit Saxofon und Tarantino-Flair. Amüsant wird es bei ‚A Portrait Of The Artist As An Old Man‘, einer selbstironischen Zukunftsvision inklusive singender Säge – was entweder subtiler Humor oder schlicht Whitakers innerer

  • Zpor

ist, der kurz durchblitzt. Den Abschluss bildet ‚Stand Up To The Man‘, ein höflich entschlossener Protestsong mit Streichquartett und der Botschaft: „Don’t let your anxiety reduce your audacity.“

Unterm Strich ist ‚Songs For The Weary“ ein bewusst aus der Zeit gefallenes Album: Crooner-Pop mit orchestraler Wärme, leichtem Augenzwinkern und einem Künstler, der offenbar problemlos zwischen intergalaktischem Synth-Prog und gediegener Lounge wechseln kann. Während Zpor also weiterhin kosmischen Dross predigt, sitzt Matthew C. Whitaker im Bademantel am Klavier und singt uns sanft in den Feierabend.

Man könnte schlimmer erschöpft sein.
Bewertung: 9/15 Punkten


Besetzung:
Matthew C. Whitaker – Gesang, Gitarren, Percussion, Säge, Pfeifen (Whistling)

Gastmusiker:
Alan Keary – Synthesizer, Violine, Viola, Cello, Höfner-Bass
Joy Becker – Violine, Viola
Paul Grennan – Cello
Pete Turner – Kontrabass
Samuel Draper – Schlagzeug
Rob Turner – Schlagzeug
James Breen – Schlagzeug
Liviu Gheorghe – Klavier
Roy Medhurst – Klavier
Angus Fairbairn – Saxofon

Surftipps:
Homepage
Bandcamp
YouTube
Rezensionen, Liveberichte & Interviews

Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Starkult zur Verfügung gestellt.