Kæry Ann - Moonstone

Doomgaze • Atmospheric Dark Folk
(38:33; Vinyl, CD, Digital; Subsound Records; 23.01.2026)
Das Debüt war seinerzeit noch stark im tristen Indie Folk angesiedelt. Teile des Albums wurden sogar für einen US-Film und Serien-Produktionen genutzt (so lernt die jüngere Generation aktuell Bands kennen!).
Mit den ersten Takten des Openers ‚Puritatem Tuam Interiorem Serva‘ bricht gleich ein ordentlicher Schwall doomig-verzerrter Gitarren über mich hinein.
Da hat sich ein Kollektiv von Musikern wohl mit diesem zweiten Album breiter aufgestellt, zumindest klingt dies alles viel mehr nach Band als nach Solo-Set. Der ätherisch-fragile, italienische Gesang ist wunderbares Kontrastprogramm zum doomigen Heavy Rock. Im dann folgenden ‚Todeslied‘ wird es dank noisig-verzerrter Fuzz-Riffs und mehr Tempo sogar noch dynamischer.
‚The Road‘ variiert mit Desert-Attitüde, Post Rock, allerhand trist-atmosphärischer Melodik, kommt dank einfach schöner Harmonie,n trotz fast sieben Minuten, gut auf den Punkt. Das schwebend-ätherische in den Vocals weiß auch hier zu den schrofferen Riffs im Yin und Yang zu sein.
Sylvaine kommt mir immer wieder in den Sinn, trifft da zwar Blackgaze/Doom Metal auf schönen Frauengesang – der Effekt ist trotzdem ein ähnlicher. Die Single ‚Hero And Leander‘ hat mit ihrem mal treibenden, mal entrückten dunklen Indie Rock schön vorsichtiges Hit-Potential. Latent verwaschene Shoegaze-Gitarren geben dem Finale des Songs nochmal gehörig Aufwind.
Unaufgeregt marschiert ‚Mariner’s Song‘ – die ätherischen Gesangs-Linien im schönen Refrain werden gerne gedoppelt und mehrstimmig arrangiert. Den richtig großen Moment wird man auf „Moonstone‘ nicht finden, dafür ist das Album mit seinen knapp 39 Minuten aber von Anfang bis Ende stimmungsvoll arrangiert, hat einen stets harmonischen, dunkel-driftenden Flow und die lieblichen, schläfrigen Vocals von Kæry lullen jederzeit mit zerbrechlichen Harmonien ein.
‚Shores In Flames‘ – wenige Gitarren-Anschläge, Tristesse, Hall und stets dunkle Vorahnungen in den Texten. Später verdichtet man wieder mit fast Stoner-artigen Psych-Rock-Riffs. Es wabert auf alle Fälle genüsslich – die Elfenstimme darüber erzeugt erneut den feinen Noir-Effekt. Hier steht die Italienerin auf jedem Fall einer Emma Ruth Rundle sehr nahe.
Für Freunde der Nische, des etwas dunklen Folk/Slo Mo Rocks mit ätherisch-entrückten Female-Vocals kann man dieses Album ohne Weiteres als gute Alternative zu den oben genannten Vertretern der Zunft empfehlen.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Abbildungen: Kæry Ann/Bandcamp