Hiraki x Meejah - Interwoven

Hiraki x Meejah - Interwoven (Pelagic Records; 13.03.2026)
Post Metal • Industral • Trip-Hop • Ambient • Noise
(24:56; Vinyl, Digital; Pelagic Records; 13.03.2026)
Kooperationen kann man auf verschiedene Arten angehen. Entweder zwei Bands werfen ihre Ideen gemeinsam in einen Topf, rühren so lange um, bis niemand mehr weiß, wer hier eigentlich was beigesteuert hat – oder man nennt das Ganze „Interwoven“ und lässt trotzdem ziemlich deutlich erkennen, wer in der Küche stand. Genau so funktioniert die Vier-Track-EP von Meejah x HIRAKI – beziehungsweise Hiraki x Meejah, je nachdem welche Quelle man gerade konsultiert. Auch das scheint Teil des Konzepts zu sein: völlige Gleichberechtigung, selbst bei der Reihenfolge im Bandnamen.

Erschienen ist das Ganze natürlich bei Pelagic Records, einem Label, das bekanntermaßen eine gewisse Leidenschaft für Split-Veröffentlichungen und kollaborative Grenzexperimente pflegt. Und „Intervowen“ ist tatsächlich beides zugleich: Kooperation und Split. Denn nicht nur auf diversen Streamingplattformen, sondern auch musikalisch wird schnell klar, wie die Zuständigkeiten verteilt sind. Track 1 (‚Redirect Revenge‘) und Track 4 (‚Dead Calls‘) stammen primär von Meejah, mit Hiraki als Verstärkung. Track 2 (‚All Contrast‘) und Track 3 (‚Preserve/Manifest‘) dagegen kommen von Hiraki, diesmal mit Meejah als Feature-Gast. Interwoven also – aber bitte ordentlich beschriftet.

Die beiden Bands stammen übrigens beide aus Dänemark und waren zumindest hier bislang eher unbekannte Größen. Hiraki, geprägt von Jon Gotlevs sinistren Shouts, operieren irgendwo zwischen elektronisch zersplittertem Hardcore, industriellen Beats und nervös flackerndem Noise, während Meejah, geprägt von Mai Soon Young Øvlisens zarter Stimme, eher aus dem experimentellen Post-Rock, Ambient und Trip-Hop schöpfen. Laut Pressetext entstand die Idee zu dieser Zusammenarbeit übrigens während eines Konzerts von The Ocean beim Roskilde Festival – ein Ort, der offenbar nicht nur musikalische Erweckungserlebnisse hervorbringt, sondern gelegentlich auch zukünftige EP-Projekte.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Und dann wäre da noch der eigentliche Aufmerksamkeitsmagnet dieser Veröffentlichung: das erste musikalische Lebenszeichen von Loïc Rossetti seit seinem Ausstieg bei The Ocean. Natürlich taucht dieses Lebenszeichen ausgerechnet auf einem Pelagic-Release auf – der familiäre Kosmos des Labels bleibt schließlich gern unter sich.

Rossetti ist allerdings nur in einem einzigen Stück zu hören, nämlich auf ‚Redirect Revenge‘. Aber dieser eine Auftritt reicht völlig. Sein klarer, unter die Haut gehender Gesang schwebt über dem düsteren Klanguntergrund und sorgt dafür, dass der Song plötzlich eine emotionale Tiefe bekommt. Kurz gesagt: Man merkt ziemlich schnell, warum diese Stimme vielen gefehlt hat. Was für eine Wonne.

Ansonsten liefert „Intervowen“ genau das, was der Titel verspricht – zumindest in Ansätzen: industrielle Pulsbeats, elektronische Störsignale, postmetallische Spannungsbögen und eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen experimentellem Hardcore und dunklem Trip-Hop oszilliert. Referenzen wie The Body, The Armed oder Massive Attack aus dem Pressetext wirken daher gar nicht so weit hergeholt.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Am Ende bleibt „Intervowen“ ein interessantes Zwitterwesen: offiziell ein eng verflochtenes Gemeinschaftsprojekt, praktisch aber doch eine ziemlich klassische Split-EP mit gegenseitiger Verstärkung. Zwei Bands, vier Songs, ein prominenter Gastauftritt und jede Menge Kabelsalat im Sounddesign. Man könnte also sagen: interwoven genug, um spannend zu sein – aber nicht so sehr, dass man die Urheber nicht mehr erkennt. Und manchmal ist das ja auch ganz beruhigend.
Bewertung: 10/15 Punkten


Tracklist:
1. ‚Redirect Revenge‘
2. ‚All Contrast‘
3. ‚Preserve/Manifest‘
4. ‚Dead Calls‘

Hiraki x Meejah - Interwoven (Pelagic Records; 13.03.2026)
Besetzung:
Hiraki:
Jon Gotlev – Vocals, Synths, Noise
Tue Schmidt Rasmussen – Gitarre
Tim Frederiksen – Schlagzeug
Meejah:
Mai Soon Young Øvlisen – Gesang, Gitarre, diverse Instrumente (u. a. Singing Bowls, Gongs)
Andreas Isbrandt Løvenskjold – Gitarre
Daniel Nayberg – Elektronik, Effekte

Gastmusiker:
Loïc Rosetti – Gesang (Track1 )

Surftipps zu Hiraki:
Homepage
Linktree
Bandcamp
YouTube
Rezensionen, Liveberichte & Interviews

Surftipps zu Meejah:
Homepage
Bandcamp
YouTube
Rezensionen, Liveberichte & Interviews

Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Hold Tight zur Verfügung gestellt.