HamaSaari - Pictures

New Artrock • Atmospheric Prog Rock •
(41:13; Vinyl, CD, Digital; Klonosphere Records; 23.01.2026)
Ein Werk über Mythen, Träume, Bilder, Realitäten und unsere Perspektive darauf. Diese zweite Scheibe der Franzosen sollte keinen Freund zwischen Karnivool, The Pineapple Thief, Porcupine Tree oder den Landsleuten von Klone enttäuschen.
Mit Sänger Jordan Jupon hat man einen Frontmann, welcher mit seiner ganz eigenwilligen Performance wundervoll in Emotionen badet – ob Karnivool oder Jeff Buckley, die Stimme bietet einige wohlwollende Referenz-Optionen.
Man lässt sich – ob in den schwebenden oder kraftvollen Passagen, in den mal wimmernden, mal aufgewühlten Gesangsmomenten – gern vom Fronter an die Hand nehmen. Dieser spielt gekonnt mit seiner Stimme und weiß auf dem ohnehin sehr stimmigen Soundfundament jederzeit das i-Tüpfelchen zu setzen.
In einem verspielt-progressiven Setting – oft zwischen verträumt und nachdenklich – bringt sich die Band, ähnlich wie ihre Landsleute von Klone, immer wieder in aufwühlende Momente, die zwar einen Hauch von Heavyness andeuten, denen jedoch eher ein atmosphärisch-kraftvolles Spiel mit der Dynamik zu Grunde liegt. Gerade diese ausgewogenen Nuancen sind die große Stärke des Albums: toller Gesang, balladeske, sehr schöne Melodien – Melancholie und Aufbegehren, sensitive Räume und immer wieder angedeuteter Druck.
Akustische Gitarren im Steven–Wilson-Habitus, ein feiner massiver Gitarrenteppich und sehnende Vocals bestimmen den Opener ‚Below The Lightnings’– abwechslungsreich, immer etwas düster mäandert die Band durch dichte Strukturen/Riffs, die zwischendurch gern mit wundervoll akustischen Momenten aufgebrochen werden.
:The Wild Ones‘ ist mal sanft, mal hebt man ab, und immer wieder phrasiert der Sänger mit seinem teilweise an Jeff Buckley gemahnenden Falsett-Gesang. Hier und da runden postige Gitarrenwände den ohnehin cineastischen Ansatz zusätzlich ab. Einen qualitativen Ausreißer gibt es nicht: ‚Our Heads Spinning“‘ rockt und wühlt mit mächtigen Riffs und hat in seiner eher finsteren, gar wütenden Gangart etwas von der temporär metallischen Seite von Porcupine Trees „Fear Of A Blank Planet“. Puristisch und akustisch lebt ‚Under The Trees‘ ausschließlich von der fragilen Stimme und der akustischen Gitarre.
Jordan bleibt das leuchtende Element im Sound. Die emotionale und suchende Art seines Vortrags ist wie ein symbolisches Licht am Ende des Tunnels. So begleitet man jeden weiteren Song bis zum Ende des Albums in einem ewigen Spiel aus vertracktem Progressiv, träumerischer Atmosphäre und vorsichtiger Heavyness.
Die Franzosen agieren dicht, atmosphärisch, melodiös und emotional – qualitativ durchgehend stark. Sie brauchen überhaupt nicht den großen Hit, gelingt es dem Album doch als Statement, als großes Ganzes, am Stück den Hörer mit jedem weiteren Hördurchgang tiefer hineinzuziehen. Gibt man dem Album etwas Zeit zu wirken, ist „Pictures“ eine wirklich feine Geschichte für Freunde des komplexen, modern angehauchten, etwas dunklen alternativen Artrock.
Bewertung: 12/15 Punkten
Besetzung:
• Jordan Jupin – Vocals/Guitars
• Axel Vaumoron – Guitars
• Élie Chéron – Drums
• Jonathan Jupin – Bass
• Christelle Ratri – Guest Vocals
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Abbildungen: Hamasaari/Bandcamp