Deneka - Three Witches

Progressive Rock • Konzeptalbum
(40:54; Digital; Eigenveröffentlichung; 06.03.2026)
Deneka aus Australien spielen einen Sound, wie man ihn in den letzten Jahren oft von den Norwegern Motorpsycho zu hören bekam. Auf der einen Seite knietief im verspielten Prog der frühen Siebziger – gepaart mit viel akustischem Folk, sanft psychedelisch und gar alternativen Einflüssen.

Vier lange Songs – inspiriert von Hemingway, Tolkien, The Beatles, frühe King Crimson, Led Zeppelin, den frühen Pink Floyd und vielen alten Mythen – werden mit einem Übermaß an Kreativität, Ideen und Emotionen zu einem leidenschaftlichen Pool von Nuancen, bei dem es Spaß macht, ständig Neues zu entdecken.

Orgel, Flöten, viele akustische Elemente, mehrstimmige Gesänge und Erzählungen über Meereshexen, Propheten, Wahrsager und mystische Figuren sind mehr als passende Puzzleteile für ein konzeptionelles Prog-Album. Die Australier nutzen die Länge der Songs und wissen dramaturgisch zu fesseln – hier und da dramatische Spannungsbögen, eben noch sanft und leise, dann für kurze Momente im Rausch. Viele folkloristische Passagen, kurze Jazz-Phrasierungen, vertrackte Rhythmik, mal mehrstimmig, mal etwas schräger Gesang.

Insgesamt haben die vier Songs einen magnetischen Zugriff, ich kann das Album schnell dreimal am Stück im Flow genießen. Die vielen Details, der organische Sound, die mal wilden, dann feingliedrigen Parts sind voller kleiner melodiöser Entdeckungsmomente. Besonders die Dynamik von akustisch-sanft bis bedrohlich-dunklem Artrock gelingt den Australiern hervorragend, wie in ‚The Sea Witch, Pt.1‘.

Die Zutaten an Instrumenten und der angenehm lo-fi orientierte Sound machen Laune, geben der Musik etwas Direktes und sehr Spontanes. ‚One Hundred Days‘ klingt mit den Vocal-Verfremdungen schwer nach aktuellem Jonathan Hultén, und ‚Dowdy Lady‘ hat einfach diese unwiderstehlichen Retro-Folk-/Prog-Sehnsuchts-Tunes in den Melodien, bei denen man sich unmittelbar in die Harmonien verliebt.

Ich mag die vier Songs auf „Three Witches“ – so darf handwerklich gut gemachter Prog Rock mit alten und neuen Elementen für mich klingen: melodiös, verspielt, kreativ, organisch, und die Zeit verfliegt ob all der Einfälle wie im Flug. Wer mit The Beatles, Pink Floyd, Motorpsycho, Anekdoten und wilden Fantasien in lyrischer Form gerne Zeit verbringt, wird den Australiern nach etwas Anlaufzeit hoffentlich ebenfalls gerne seine Zeit schenken.
Bewertung: 12/15 Punkten


Besetzung:
Jordan Deneka – guitar · electric organ · reed organ · lead vocals
Raamii – bass · backing vocals
• Milo Emmanuel – drums · guitar · effects · backing vocals
Matt Barba – guitar · effects · backing vocals

Gastmusiker:
Catie Martin – cello
Cathy Blake – violin · viola
Yael Zamir - flute
Victoria Hay - pipe organ

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Abbildungen: Deneka/Bandcamp