Moon Mother - Meadowlands

Dark Atmospheric Folk • Slowcore • Progressive Rock
(44:53; Digital; Eigenveröffentlichung; 06.02.2026)
Was haben Projekte/Bands/Musiker wie Us And Them, Low, Tenhi, Jonathan Hultén, Beth Gibbons, Marjana Semkina, Emma Ruth Rundle, Exitmusic und Sophia (vor allem mit dem „Infinite Circle“-Album) gemeinsam?

Richtig: Entschleunigung, langsames Tempo, tief schürfende Melancholie, Innenschau, Eskapismus und diesen trotzigen Hoffnungsschimmer, der immerzu an das Licht am Ende des Tunnels glaubt. Mit Moon Mother (Sara Mehner und PatAhlström) aus Schweden und ihrer neuen Veröffentlichung „Meadowlands“ gibt es eine Dreiviertelstunde Zuwachs in Sachen tristem skandinavischen Slo Mo Rock/Folk.

Acht Balladen – fast durchgehend langsam – getragen von einer verletzlich-leidenschaftlichen Frauenstimme, die von Traumata, Einsamkeit, Verlust, Schmerz erzählt und trotzdem immer wieder die Hoffnung, das Schöne, das Gute in all diesen Untiefen zu sehen vermag. Die Texte, die konsequente Offenlegung der eigenen Themen sind nicht ohne und wollen erstmal ausgehalten werden.

Sara hat die passend ätherischen Klangfarben in ihrer Stimme – trotz aller Melancholie findet man eine Art Frieden und Verständnis in den warmen, sehr dichten Arrangements, die trotz des Minimalismus hier und da orchestrale, sich verstärkende Dynamiken erfahren. Die Musik durchschreitet einen inneren wie äußeren Winter und schaut man auf die Welt, ihre Traumata im großen und im persönlichen, fühlt man dieses Sehnen nach Erlösung in einem Album wie „Meadowlands“ um so mehr.

Trauriges Piano (‚World In A Glass Jar‘) – sanfte Drums, die gezielt für kurze aufbrausende Momente in die Kraft finden und jederzeit fragile, sehr schöne Melodien, die trotz des vorhandenen Schmerzes liebevoll umarmen und trösten wollen.

‚Be A Forest, Child!‘, was ein Titel und so fühlt man sich über die komplette Länge des Albums: in Isolation, im Wald, im Nirgendwo. Die Künstlerin bindet beide Elemente – das Geisterhafte, ausserweltliche im skandinavisch waldigen Folk (s.Jonathan Hultén, Grift oder Tenhi) und gleichzeitig den urbanen, persönlichen Kummer, das existenzielle, welches Alben wie „The Infinite Circle“ von Sophia (Robin Proper-Sheppard von The God Machine) mit ihrer zur Schau gestellten Intimität so intensiv und schwer ertragbar machten.

Das Cover, die Videos präsentieren dieses Projekt so vortrefflich und Songs wie ‚It Comes With Shadows‘ erzählen von einer tief stehenden Sonne, die reinstes Gold ausschüttet, ‚High Houses‘ wiederum vom absoluten Gefühl des Verlorenseins, des im Feuer stehens, während alle drum herum nur hilflos sind und zuschauen. Es klingt nichts nach Bitterkeit, stattdessen teilt Sara diese sehr intimen Gefühle, die wohl viele Menschen gerade durchschreiten und wird somit zur Quelle von Trost und Verständnis.

‚Wilderness‘ schwankt zwischen sanften Folk-Fingerpicking – hintergründig, später aufwühlend orchestralen Drones/Streicher und einer in den Vordergrund gemischten Stimme. ‚RootWindow‘ braucht in seiner innehaltenden Statik ebenfalls nicht viel – wenige, in Hall getauchte Akkorde schweben neben der traurigen Stimme durch den Raum und auch hier kratzt und schabt man sich mit etwas Noise-/Shoegaze-Nebel in ein kleines Finale hinein. Der Titelsong ist Melancholie pur, sanft und sehnsuchtsvoll und im abschliessenden ‚Windhover‘ wird es noch mal richtig unruhig mit einer zünftigen Wall of Sound, floydigem Gitarrenspiel und berührenden, speziell nordischen Vokal-Phrasierungen.

Diese beseelt, sehr melancholische Winter-Platte ist nichts für den morgendlichen Energieschub – sie sitzt mit vielen atmosphärischen Gimmicks eher gehörig zwischen den Stühlen – bedeutet maximales Anhalten, sich der eigenen inneren Unruhe und Verletzlichkeit zu stellen und lebt von einer hoffnungsvoll-beseelten Melancholie, die den nächsten Frühling herbeisehnt.
Bewertung: 13/15 Punkten


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