Møl - Dreamcrush

Blackgaze • Shoegaze • Modern Metal
(42:45; Vinyl, Digital, CD; Nuclear Blast; 30.01.2026)
Für manch extremen Sound bin ich entweder zu alt, es erscheint mir alles zu gewollt oder gewisse melodisch-moderne Metal-Elemente schrecken mich einfach ab. Diese symphatischen Dänen durfte ich bereits im Vorprogramm der geliebten Crippled Black Phoenix erleben und fand den strangen Mix aus Raserei, Kreisch-Vocals und Kaugummi-artiger Catchiness live ganz unterhaltend.
Møl machen mit ihrem hymnisch-eingängigen Sound nicht wirklich viel falsch, aber diese seltsame Pop-Affinität und der nervig fauchige Kreischgesang kommen bei mir nicht richtig an. Was spannenderweise bei einer Band wie Violet Cold mit ähnlicher Ausrichtung hervorragend in mir Resonanz erzeugt, berührt mich hier nicht, wirkt gerade in den melancholisch verträumten Ruhe-Passagen das schrille „Kontrastprogramm in Böse“ latent künstlich.
Grooves, Melodien und die hymnenhaften Dynamiken sind durchaus schwer auf den Punkt (‚Crush‘) – funktionieren auch in ihrem Laut/Leise-Effekt jederzeit zwingend – aber wenn der harsche Gesang nicht greift, ist man einfach im Zwiespalt. ‚Garland‘ hat diese Dream Pop Momente, weich, melancholisch und bricht dann auch schön kraftvoll metallisch durch die Decke, nur will der böse Gesang nicht greifen. ‚Favour‘ nutzt eine wunderschön epische Wall of Sound und auch im melancholisch-schwebenden ‚Dissonance‘ sind richtig große balladeske Momente, die für sich allein ohne diesen harschen Gesang durch die Decke fluten würden.
Als Alcest-Fan fällt es mir bei Hochkarätern wie Deafheaven schon schwer, den schrillen, fiesen Black Metal Vocals was abzugewinnen und auch hier löst dies eher vorsichtige Verkrampfung beim Hören aus. Schade eigentlich, wissen guter Sound, eingängige Melodien (‚Hud‘) für Kurzweil zu sorgen. Jüngere Hörer – wahlweise im Sleep Token-Universum – werden in dieser Art des individuell modernen Metal vermutlich einen ganz anderen, wesentlich leichteren Zugang finden. Sei’s drum … es bleibt für mich ein Spalter.
Bewertung: 9/15 Punkten
Besetzung:
• Ken Lund Klejs – drums
• Holger Rumph Frost – bass
• Kim Song Sternkopf – vocals
• Sigurd Kehlet – guitars
• Nicolai Busse – guitars
Surftipps:
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• Wikipedia
Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Nuclear Blast zur Verfügung gestellt.