Karnivool - In Verses

Progressive Metal • Alternative Metal • Art Rock
(63:07; Vinyl (2LP), CD, Digital; InsideOutMusic/Sony Music; 06.02.2026)
Man kann über Wartezeiten reden.
Über 13 Jahre.
Über Mythos, Erwartung, Prog-Pathos.
Oder man macht bei Minute 1:08 von ‚Ghost‘ einfach lauter.
Drop.
Bass.
Abriss.
Karnivool eröffnen „In Verses“ nicht mit Fanfare,
sondern mit Groove.
Und was für einem.
Dieser Basssound ist kein Fundament –
er ist eine Naturgewalt.
Audiophiler Genuss?
Eher audiophile Machtdemonstration.
Instrumental allerdings:
Wer hier die eine große, sofort zündende Hook sucht,
wird länger suchen.
Und länger.
Denn dieses Album funktioniert nicht wie ein Ohrwurm.
Es funktioniert wie eine Klette.
Es bleibt hängen,
fast unbemerkt,
mit tausend kleinen Härchen aus Rhythmus, Textur, Detail.
Ein Riff hier,
ein verschobener Akzent dort,
ein Spannungsbogen, der sich nicht anbiedert.
Das ist kein ‚Set Fire To The Hive‘-Moment.
Das ist schleichende Infiltration.
Und dann diese Stimme.
Ian Kenny –
ja, genau der.
Kein Effekthascher,
kein Dauer-Drama.
Sondern ein langsames, stetiges
Sich-in-die-Gehörgänge-Fressen.
Melodien, die nicht sofort schreien „Hit!“,
sondern sich einnisten.
Unterstützt vom Groove,
getragen vom Bass,
umgarnt von dieser dichten, warmen Produktion,
die im Studio mit Forrester Savell offenbar wieder auf Molekularebene gefeilt wurde.
‚Opal‘ wuchtet,
‚Animation‘ pulsiert tight und nervös,
‚Reanimation‘ wird dunkler und lässt sogar Guthrie Govan ein Solo in den Raum stellen –
aber nichts davon drängt sich plump auf.
„In Verses“ ist kein Album für den schnellen Dopaminkick.
Es ist ein Grower.
Ein echter.
Mit jeder Umdrehung schärfer,
mit jedem Durchlauf dichter,
mit jeder Wiederholung süchtiger.
Irgendwann merkt man,
dass man einzelne Passagen mitbrummt.
Dass man auf Drops wartet.
Dass man diesen Bass braucht.
Und spätestens dann
hat sich die Klette
endgültig festgesetzt.
Bewertung: 13/15 Punkten
Tracklist:
1. ‚Ghost‘ (06:25)
2. ‚Drone‘ (04:59)
3. ‚Aozora‘ (06:55)
4. ‚Animation‘ (04:58)
5. ‚Conversations‘ (08:01)
6. ‚Reanimation‘ (feat. Guthrie Govan) (07:12)
7. ‚All It Takes‘ (2025 Remastered Version) (05:28)
8. ‚Remote Self Control‘ (05:40)
9. ‚Opal‘ (06:09)
10. ‚Salva‘ (07:50)

Besetzung:
• Ian Kenny – Lead vocals
• Drew Goddard – Lead guitar
• Mark „Hoss“ Hosking – Rhythm guitar
• Jon Stockman – Bass guitar
• Steve Judd – Drums
Gastmusiker:
• Guthrie Govan (track 6)
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.