Blackwater Holylight - Not Here Not Gone

Heavy Shoegaze • Doom Rock • Dream Pop
(46:17; Vinyl, CD, Digital; Suicide Squeeze Records; 30.01.2026)
Die Ladys von Blackwater Holylight sind für einen Nischenfreund wie mich schon von Anfang an ein Hingucker. Mittlerweile von Portland ins sonnige Kalifornien nach Los Angeles übergesiedelt, darf man sich beim neuen Album in vielerlei Hinsicht über spannende Feinjustierungen im Sound der Band freuen.
Es finden sich im Vergleich zu den bereits qualitativ hochwertigen Vorgängern aktuell mehr Licht, mehr Schweben, mehr Leichtigkeit im Sound wieder. Dies bedeutet in keinster Weise, dass die punktuelle Heavyness, der Fuzz in den Akkorden seine Priorität verloren hat. Die Gewichtung hat sich einfach Richtung mehr Licht, poppiger Melancholie, einem neuen Selbstbewusstsein geöffnet.
Die vielen Schattierungen und Einflüsse, die den Band-Sound bisher definierten – aber früher oft fragmentarisch wirkten – finden sich diesmal über die komplette Laufzeit wesentlich kompakter und stabiler als großes Ganzes wieder. Ob nun ätherisch zerbrechlicher Gesang – der manchmal sogar Erinnerungen an die guten alten Heavenly Voices-Koryphäen (Cranes, This Ascension) des Wave Pop herbeizaubert – viele shoegazende Schwebemomente im feinsten, frühen Slowdive Romantic Noise Pop-Stil und dazu diese hippe Stoner/Fuzz-Heavyness, mit der die Band sich schon einen gewissen Alleinstellungsgrad erspielt hat.
Tiefe himmlische Synth-Sequenzen kreieren im Opener ‚How Will You Feel‘ den eben angesprochenen Slowdive-Effekt, schrauben sich hier wundervolle Melodien mit kratzenden Gitarren in ein Meer aus Wolken hinein – ein kurzes doomiges Innehalten gibt es natürlich trotz allem inklusive.
‚Involuntary Haze‘ und ‚Bodies‘ sind in den Gesangslinien fast klassischer Dream Pop/Shoegaze, nur mit eben mehr Gewicht auf den Reifen. Fast mädchenhafter Gesang erzeugt hier diesen Hauch Verletzlichkeit mit dieser sehr fragilen, speziellen Art der Melodieführung. ‚Heavy, Why?‘ ist angenehm düster, driftet slow und dicht im Sound. Sozialisiert und aufgewachsen mit ätherischem Wave ist diese sehnsuchtsvolle Art des Gesangs bei mir ein Selbstläufer und der verwaschene Heavy Sound (Deftones lassen grüßen) saugt schön hinein ins Geschehen.
Trippy und fuzzy rifft das kurze, etwas sperrige ‚Spades‘ – findet aber dank sphärischer Elemente und gut dosierter Wall of Sound noch in seinen Abkoppelungsmoment. ‚Void To Be‘ und das schwer nach frühen Slowdive klingende ‚Fade‘ grooven dann wahlweise treibend oder schwebend abgehoben mit unendlich viel Melancholie, Sehnsucht und Nostalgie wie zu besten 80s/90s-Zeiten. Der sehnsüchtige Gesang ist das Sahnehäubchen auf diesem Album – ohne wenn und aber.
Berührt mich alles außerordentlich und mit ‚Poppyfields‘ geht’s nochmal richtig schön heavy, wehmütig-romantisch aufgeladen aus dem Album raus. Für Nischen-Junkies gibt es hier viele atmosphärische Momente, ohne dass die Band ihre hippe Post/Psych/Stoner-Schlagseite ignorieren muss. Alles verschmilzt auf „Not Here Not Gone“ harmonisch, melodisch und schwebend ineinander und wird gerade im hinteren Teil des Albums mit fast schon klassischen Wave/Shoegaze Strukturen veredelt und zementiert.
Bewertung: 12/15 Punkten
Besetzung:
• Sunny Faris – Vocals, Guitar, Bass
• Mikayla Mayhew – Bass, Guitar
• Eliese Dorsay – Drums
• Sarah McKenna – Synths
• Camille Getz – Violin
• David Sitek – Beats on “Giraffe” (Track #5)
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Abbildungen: Blackwater Holylight/Bandcamp