The Morning Stars - A Hymn Without A Sound


Art Pop • Indie Rock • Atmospheric Pop
(45:27; Vinyl, CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 16.01.2026)
Die hier involvierten Musiker sind alle bekannte Veteranen der deutschen alternativen Szene (u.a. Kante, Kreisler, Coloma) und durch viele vergangene Projekte miteinander bekannt und verdrahtet. Also trifft man sich auf dem Geburtstag von Sebastian Vogel (Drums) und schnell wird eine neue Band aus dem freundschaftlichen Stelldichein.

Der auf „A Hymn Without A Sound“ mal experimentelle, dann wieder sphärische Indie/Kraut Pop spiegelt im Querschnitt den gemeinsamen Nenner der Genannten hervorragend wieder. Mit einem richtig feinen, sehr transparenten Soundbild fällt es einem sehr leicht, sich in das feingliedrige Netz des Kollektivs hineinzufinden.

Mal ganz klare, sehr Pop-affine Melodien, etwas Funk, Indie, Kraut, Dream Pop und vieles irgendwo zwischen den Welten verschmilzt zu einer durchgehend auf hohem kreativen Niveau agierenden Spielwiese.

Die Vocals – gern auch im Male/Female Modus – erinnern mich positiv an so manche Stücke aus dem Birdpen/Archive-Umfeld – etwas kühles mechanisch-synchrones in den Strophen löst sich in flächig, melancholischen Refrains mit viel Atmosphäre auf – siehe Opener ‚One Of The Doors‘.

Kurze, eher schnittige Songs wie das funkig atmosphärische Pop-Stück ‚Scars‘ oder das luftige ‚Chainsaw Fiddle‘ stehen im Kontrast zu meist langen Stücken wie ‚Can’t Stand Up‘ oder dem epischen Postrock-Rausch ‚The Everything‘ (White Willow oder Whispers Of Granite lassen grüßen) und diese Dynamik zwischen Experiment, Prog, Indie und Pop gelingt The Morning Stars oft mit viel Gespür für Melodie und gleichzeitig intimer, leicht nächtlich dunkler Stimmungen.

Im Vergleich zu Archive und Co. agiert man insgesamt organischer, fließender, weniger elektronisch. Nichtsdestotrotz hat die Art der Melodieführung, gerade in den Strophen diesen nicht zu leugnenden Effekt. Ein hypnotisch-melodischer Kraut Rock-Flow – stets still vor sich hin fließend – konnte man bereits bei früheren Kante-Releases genießen. ‚Like This‘ perlt mit schönen Gitarren, erzählerisch mehrstimmig wechselndem Male/Female-Gesang, einer einfach entspannt zurückgelehnten Gangart, in die es sich gemütlich fallen lässt.

Der basslastig, warm und angenehm dicht produzierte Bandsound bettet einfach hervorragend und so lullt die meist sanfte Melancholie gehörig ein, ohne wirklich zuviel Emotionen abzuschöpfen. Song-Längen von 7-9 Minuten geben der unaufdringlichen Melange aus flächigen Synths, funkigem Bass, Kraut Rock und Indie Pop die nötige Zeit, sich mit kleinen atmosphärischen Spielereien zu entfalten, ohne den großen Hit abzuwerfen. Die Melodien haben einfach Charme, Präsenz und Weite und machen aus „A Hymn Without A Sound“ einen angenehmen Wiederkehrer.
Bewertung: 11/15 Punkten


Besetzung:
Barbara Morgenstern
Alex Paulick
Sebastian Vogel
Felix Müller-Wrobel

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise Chris Breuer/Sozius PR zur Verfügung gestellt.