Pieter Nooten - Sorrowful Music For The Downhearted


Cinematic Ambient • Modern Classical • Art Pop
(52:13; Digital; Eigenveröffentlichung; 01.11.2025)

Any fool can be happy. It takes a man with real heart to make beauty out of the stuff that makes us weep. – Clive Barker

Mit dem Albumtitel hätte es nicht besser und schöner formuliert werden können. Zerbrechliche Klänge, spiritueller Rückzug in wirren, konfusen Zeiten. Pieter Nooten – ehemaliger Musiker im einstigen 4AD-Wave-Pop-Ensemble Clan Of Xymox, auf deren beiden frühen Romantic-Wave-Klassikern, dem selbstbetitelten und der unendlich wundervollen „Medusa“ eben dieser Mitte der Achtziger seine musikalischen Anteile hatte.

Diese beiden Alben gehören aus meiner Sicht in jede Sammlung zwischen Wave und Alternative Pop, atmen in jeder Sekunde den wehmütigsten Weltschmerz, den diese Ära seinerzeit aufzubieten hatte. Mit den aktuellen Klängen ist der Holländer in anderen Sphären unterwegs – obwohl Trauer, Sehnsucht und Melancholie nicht zu unterschätzende Pfunde auch auf diesem Album darstellen.

Weniger musikalisch, dafür atmosphärisch irgendwo zwischen späten Talk Talk, den Soundtracks einer Lisa Gerrard („Whale Rider“), Anna von Hausswolff, In The Nursery, Kauan (ohne Gitarren), Alex Henry Foster, Hammock, French Teen Idol und Slow Meadow findest du in diesen schwebenden, hauchzarten instrumentalen Tunes einen nicht zu unterschätzenden Schmerzpunkt und Sehnsuchtsort, der im wahlweise richtigen oder falschen Moment ähnlich einer Kauan die Luft zum atmen nimmt.

Meist ätherisch, fragil, klassisch und mit diesem Score-affinen, schwer melancholischen Ambient-Kathedralen fließt jedes vergangene Bild von Verlust, Trauer, Glücksmoment, Sehnsucht – ja einfach Leben durch diese Klänge direkt in dich hinein, füllt dich mit Bildern und Erinnerungen.

Dies ist ähnlich der „Spirit of Eden“ von Talk Talk, nur mit anderen Mitteln, die komplette Abfahrt in die Innenschau – Tränen inklusive. Lange sakrale Stücke wie ‚Surrendered‘ weben hintergründige Chöre, einen Hauch von Himmel, tröpfelndes Piano, ein Meer aus schluchzenden Streichern und Melancholie, die dich lange in den Arm nehmen und therapeutisch wirken.

Ein einfach nur wunderschönes, emotionales, tief träumendes Album, welches nicht von dieser Welt zu sein scheint…, aber genau diese Tiefe, dieses Umarmen und Verständnis benötigt diese seltsame Welt da draußen so dringend.
Bewertung: 14/15 Punkten


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Abbildungen: Pieter Nooten/Bandcamp