Neon Heart - Gå På Tå

Krautrock • Space Rock
(75:37; CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 09.01.2026)
Es muss in Skandinavien ein Nest für Metaller, aber vor allem für Retro und Psychedelic Rock existieren, anders ist die bald wöchentliche Schwemme an starken Releases nicht erklärbar.
Irgendwo zwischen The Doors, Nepal Death, Spids Nøgenhat, Papir, Kungens Män, Oresund Space Collective uvm. spielen sich Neon Heart durch ihren ganz eigenen Sound-Wald. Very trippy, sehr lebendig und fließend, ist man die ganze Zeit in Bewegung.
Die Songs/Melodien rennen gleichzeitig in jede Richtung – Flöten, kosmische Synths und ein eigenwillig theatralischer Gesang halten sich in diesem strangen Flow auf seltsam eigenwillige, sympathische Weise in einem Bild zusammen. Die meist langen Songs marschieren, Krautrock-typisch einfach weiter und weiter – Drums, die mit Freude und Detailverliebtheit immer wieder aufhorchen lassen und ein dauerhaft dickes F*** You an irgendwelche Konventionen. Ab und zu performen strange Vocals zu abgekoppelt treibendem Space Rock (‚Vägen‘) und die rangieren irgendwo im Pathos zwischen Bowie und Morrison… oder so.
Der organische Sound, das handwerkliche „Passt einfach“, wie doch letztlich immer bei Bands aus dem schwedischen Raum. Im Titelsong driftet man entspannt, langsam durch ein Meer aus psychedelischen Effekten, seien es bizarre Flöten oder Sitar-Klänge, und einen immer feinen, kosmischen, hintergründigen Synth-Teppich.
‚Drömmen‘ träumt, jammt und trippt mit stoischem Vergnügen knapp zehn Minuten durch alle Gefühlspaletten. Wie der Bass hier seinen Raum bekommt, teils jazzige Rhythmik sich im Ohr verhaken darf und die kosmischen Psych-Effekte kleine Mind Fucks produzieren – das liebe ich und es ist auf bizarre Weise einfach unwiderstehlich. Bei ‚Tur Att Jag Lever‘ darf Johnny Karlsson Kern, der schwedische Jim Morrison der Band, wieder vor’s Mikro und diese Kombination aus verstrahltem Schwedisch und deren Kraut-Flow holt mich schwer ab.
Kreativ, leidenschaftlich surren Neon Heart durch alle Nerven-Enden, verlieren sich regelrecht in ihrem Spiel. Mit fast 80 Minuten gibt es den Aufruf zum Abschalten, Räucherstäbchen an und go for Eskapismus. Ein sicherlich experimenteller, eher Lo Fi-Jam/Trip, der aber Freunde der kosmisch-psychedelischen Gangart einlädt zu entdecken.
Ich weiß, diese unruhigen Wirrwarr aus bizarren Klängen, hypnotischem Flow und Improvisation einfach zu schätzen und auch wenn man nicht den übergroßen Moment kreiert, nicht an die eingängige Melodik von Nepal Death andockt, macht diese Platte mit ihrem Stilmix, kleinen Ecken und Kanten viel kosmische Freude.
Bewertung: 11/15 Punkten
Besetzung:
• Magnus Nordén – drums
• Johnny Karlsson Kern – bass, vox
• Björn Wallgren – guitar
• Petter Kärnekull –viola
• Borgegård Älgå – saxophone, flute, synths
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Abbildungen: Neon Heart/Bandcamp