Man - Live At Rockpalast 1975
Jam Rock • Blues Rock • Psychedelic
(60:06, 67:00; CD+DVD, digital; MiG Music; 31.10.2025)
Wie lange existiert eigentlich der legendäre Rockpalast schon? Diese Frage stellte sich nach diversen Besprechungen von MiG-Veröffentlichungen angesichts des hier nun vorliegenden Mitschnitts, der immerhin ins Jahr 1975 zurückreicht und damit mit der aktuellen Veröffentlichung 50-jähriges Jubiläum feiert. Schaut man sich die offizielle chronologische Liste an, startete der Rockpalast im Oktober 1974 mit ELO, das Konzert von Man war das achte in der Reihe. Es fand am 17. April 1975 im WDR Studio-L in Köln statt, Produzent war der ebenso legendäre Peter Rüchel.
In den Liner Notes (von 2014) meldet sich Gitarrist Deke Leonard mit bemerkenswerten Aussagen zu Wort. So beschreibt er, dass Deutschland einer der wichtigsten Märkte für die Band war. Sie haben dort tausende von Konzerten gespielt (naja, vielleicht etwas übertrieben?) und er entschuldigt sich gleich dafür, dass er sich nicht mehr wirklich so genau an das hier vorgestellte Rockpalast Konzert erinnert. Was wohl unter anderem auch mit massivem Drogengenuss zu tun hatte. Und auch Martin Ace wird mit aktuellen Worten zitiert. Er schildert, dass er – bereits von 1969 bis 1972 bei Man aktiv – drei Jahre nach seinem Ausstieg einen Anruf bekam, ob er bei ein paar Konzerten für den frisch ausgestiegenen Bassisten einspringen kann. Er sagte zu, es klappte gut, und als die Anfrage für die Teilnahme an einer Deutschland Tour kam, sagte er auch direkt zu und beschreibt, dass die Band zu jener Zeit sehr gut eingespielt war – was man auf diesem Live Mitschnitt hören sollte.
Ihrem Ruf, dass sie auch gerne mal auf der Bühne eine Jam Session abhalten, werden sie hier durchaus gerecht, was man auch an einigen Spielzeiten sieht. Es sind keine Prog-Nummern, sondern improvisierter Jam Rock, den die Waliser hier auf einigen Titeln bieten, wie beispielsweise auf dem Opener ‚7171-551‘ (tatsächlich eine Telefonnummer) mit Kölscher Laufzeit (also 11:11), oder dem ausufernden 23-Minüter ‚C’mon‘, auf dem gerade Leadgitarrist Micky Jones glänzt. Man kann sich gut vorstellen, wie Recht Leonard in seinen Liner Notes hat, wenn er sagt, dass sie (speziell Jones) live nie exakt das gleiche spielen – das passt einfach nicht zu ihrem (damaligen) Ansatz. Außerdem schreibt er, dass Frank Zappa, nach den seiner Meinung nach besten Gitarristen gefragt, auch Jones genannt hatte. Man ahnt schon warum.
Mittlerweile ist Martin Ace der Boss der letzten Ausgaben von Man, Micky Jones und Deke Leonard sind 2010 bzw. 2017 verstorben. Die Veröffentlichung zeigt die Stärken der Band, wobei man bei der Videoaufnahme natürlich angesichts des Alters der Aufnahme Abstriche machen muss. Der Gitarrenrock lebt von den Improvisationskünsten speziell eines Micky Jones, nur selten wechselt Leonard zum Keyboard. Ihre musikalische Ausrichtung entspricht definitiv nicht des Schreiberlings Beuteschema, aber trotzdem lässt sich der Auftritt der Waliser wertschätzen, zumal wenn sie sich auch mal in psychedelische Fahrwasser begeben.
Bewertung: 9/15 Punkten
Besetzung:
• Micky Jones – guitar / vocals
• Deke Leonard – guitar / keyboards / mouth organ / vocals
• Martin Ace – bass / vocals
• Terry Williams – drums / vocals
Surftipps:
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Abbildungen: MiG Music