Kronstad 23 - Sommermørket

Progressive Rock • Jazz • Instrumental Psychedelic Rock
(42:05; Vinyl, CD, Digital; El Paraiso Records; 18.11.2025)
Diese junge norwegische Band passt ja wohl mal so richtig in die Veröffentlichungslandschaft von El Paraiso. Typisch für diese skandinavische Nische zwischen Prog Rock und Jazz wogt man in jeder Album-Sekunde spannend durch Raum und Zeit, mal sanft, mal wild.
Kronstad 23 klingen trippy, schwer groovy und verspielt jazzy. In jedem Fall treibt man immer etwas düster durch strange, progressiv verschachtelte Räume, die für Freunde von Motorpsycho, Causa Sui, Papir, Elephant9 oder auch Tortoise einiges an kreativem Ohrenfutter bereitstellen. Ein Steven Wilson mit manch angejazztem Solo-Tune taucht ebenfalls des Öfteren vor meinem Geiste auf, wissen die Norweger gerade in den sanfteren Parts ordentlich sinistre Atmosphäre heraufzubeschwören.
Die Musik ist ständig in Bewegung – Stimmungsgeladene Ambient-Parts provozieren Echos an all die kreativen Vorgänger aus den Neunziger Jahren wie Anglagard, Anekdoten oder meine Lieblinge von Landberk. ‚Cæsar‘ tröpfelt exemplarisch ruhig vor sich hin, mäandert eine ganze Weile ohne konkretes Ziel. Irgendwann schnattern Fender Rhodes und Saxophon ins Bild und setzen liebevoll passende Farbtupfer, aber man bleibt dabei trotzdem immer detailliert, experimentell und vor allem in hohem Maße atmosphärisch. ‚Trosten‘ groovt sich ebenfalls aus der nordischen Stille in verspielt, vorsichtig jazzige Ebenen hinein – Late Night Jazz und später kraftvoll-psychedelisches Gitarrenspiel holt die Band aus ihrem Driften raus und etwas The Doors-lastige Orgeln lassen alles angenehm retro vibrieren. Das auf leisen Sohlen schreitende Schlussstück ‚Sjelefred‘ ist ein wundervolles Nachtschattengewächs und mit seinen friedvollen Soundspielereien ein leuchtender Stern am polaren Firmament und mein absoluter Favorit auf dem Album.
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Die sieben Songs sind ein Trip, vergehen wie im Flug, spielen mit verschiedensten Farb- und Stimmungstönen und sind selbst für mich als kaum Jazz-affin zu nennenden Hörer durchgehend spannend, weil lebendig, luftig, energetisch, fordernd, nächtlich, melodisch und jederzeit atmosphärisch. „Sommermørket‘ läuft hier gern in Schleife und ist ein weiteres instrumentales Juwel in Sachen nordisch progressiv-jazziger Spielkunst.
Bewertung: 13/15 Punkten
Tracklist:
1. Dølgsmål
2. Sommermørket
3. Cæsar
4. Trosten
5. Helgen
6. Astralreiser
7. Sjelefred
Besetzung:
• Øyvind Vie Berg – keyboards
• Aleksander Tøsdal Tveit – guitar
• Eirik Rømcke – Bass
• Hans Christian Dalgaard – Drums
Surftipps:
• Soundcloud
Abbildungen: Kronstad 23/Just For Kicks