Afenginn - Movements I

Nordic Music • Post Classical • Progressive Rock
(38:17; Vinyl, CD, Digital; Tutl Records; 19.09.2025)
Und wieder habe ich das Glück, über so eine nordische Märchenplatte zu stolpern. Das Release liegt zwar schon einige Monate zurück, sollte hier aber unbedingte Erwähnung finden.

Irgendwo zwischen der Melancholie von Giant Sky, den abgefahrenen Teil von Major Parkinson, Gisli Gunnarsson, Balkan Folk und dem verspielten Progressive/Jazz-Sound von Jaga Jazzist findet sich Afenginn, das Projekt vom Multi-Instrumentalisten Kim Rafael Nyberg aus Dänemark wieder.

Keine 40 Minuten lang, dafür voll mit Emotionen, einem Füllhorn an Instrumenten und musikalischer Finesse, superbem Sound, einem ständigen Auf und Ab in den Stimmungen und Atmosphäre, was eine krampfhafte Zuordnung zu Genre-Klassifizierungen nicht zwangsläufig notwendig macht. Der magisch-nordische Märchenwald öffnet sich wie von selbst – dieses verspielt-suchende und die immer wiederkehrend wehmütige Gangart macht „Movements I“ zu einem absoluten Highlight.

Gehe einfach mit Vertrauen hinein in diesen Wald, lass alles was war hinter Dir. Diese Musik nimmt so wohlwollend an die Hand, auch wenn Wehmut und Melancholie Dich ab und zu mit einem Blick nach hinten innehalten lassen. Das Licht, die Zukunft wartet schon auf Dich, noch ist es nicht überdeutlich formuliert, aber erkennbar.

Wunderschöne orchestrale Streicher, symphonische Melodien, temporär liebliche Female Vocals, progressiv leidenschaftliches Musizieren auf stabilem Fundament – all dies findet zu einem nordisch opulenten Kammerspiel zusammen, welches sich immer wieder strahlend öffnet, Kraft und Energie spendet und vor allem mit seinen lichtflutenden Arrangements Größe und Hoffnung transportiert (‚Emberlin‘).

Die Armada an Instrumenten darf hier wahrlich als Ausdruck der musikalischen Möglichkeiten erkannt werden, weiß man mit kammermusikalischer Zurückhaltung und stolzem Bombast ständig in den Gegensätzen zu tanzen, die Gefühlspaletten permanent herauszufordern. Jede Sekunde entdeckst Du neue Details, die nordische Gangart unter Hinzunahme von u.a. Klarinette, Trombone und ähnlichen Gerätschaften lässt der fantasievollen Spielweise jedes Mittel recht sein.

Ich liebe diese Platte, gerade bei voller Lautstärke verströmt sie die lebendige, offene Vielfältigkeit des skandinavischen Progressive Rock, integriert die Form von Jazz und Klassik, die eher lustvolle Musikalität statt aufgesetztes Gehabe vermittelt. Anmut, Licht und Dunkelheit, Melancholie, wundersame Chöre und herausragende handwerkliche Musikalität, die Emotionen rührt von traurig (‚Motora‘) bis hoffnungsvollen Optimismus (‚Ind I Kampen, Kammerat‘). Ein meisterhaftes Kleinod – meine unbedingte Empfehlung und ich muss sofort die alten Veröffentlichungen der Band testen.
Bewertung: 13/15 Punkten


Besetzung:
Kim Rafael Nyberg – piano, synths, mandolin, vocals
Dánjal á Neystabø – piano, vocals
Niels Skovmand – violins
Heðin Ziska Davidsen – guitar, synths, electronics, vocals
Jakob Johansen – flugelhorn, trombone
Ulrik Brohuus – drums, percussion
Anders Hvidberg – percussion, ewe drums
Rasmus Krøyer – clarinet, bass clarinet
Erik Olevik – bass, double bass
Andreas Tykjær Restorff – cello
Jóhan Hentze – trompet, flugelhorn
Jakob Johansen – flugelhorn, trombone, tuba

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Abbildungen: Afenginn/Bandcamp