National Diet - The King In Yellow
New Artrock • Progressive Rock • Piano Pop
(38:49; CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 21.10.2025)
Jake Rose, der Mann hinter National Diet, verarbeitet mit „The King In Yellow“ das Ende seiner Langzeitbeziehung. Die damit einhergehenden Schwierigkeiten im Akzeptieren führten zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Themen wie Soziopathie, Wahnsinn, Kulten und verschiedene Persönlichkeitsstörungen. Zusätzlich dienten Werke von H.P. Lovecraft, generell düstere Gothic Literatur und Filme wie ‚American Psycho‘ oder ‚Fight Man‘ als Allegorie.
Der musikalische Fokus basiert für dieses Album auf dem Piano, widmete Jake sich diesem Instrument diesmal um ein Vielfaches mehr. Schräge creepy Orgel-Klänge wie in ‚Space Monkey‘, unruhige Heavyness und progressive Abfahrten erzeugen in mir Echos an so manch verrückten Motorpsycho-Moment. Unterstützung fand der Leader u.a. von Musikern solcher Bands wie Cheer Accident oder Mercury Tree.
Ob sanft, nur vom Piano und gehörig viel Melancholie begleitet, finden sich Flöten, Frühsiebziger Prog und einige Steven Wilson-Echos im Sound der Band wieder und machen aus dem Gehörten einen bunten, melodisch-schrägen Cocktail: Mal harmonisch, dann in der Performance wieder fast Math-Rock-artig vertrackt (‚Angle Game‘). Ich mag den Sound, der nicht überladen, dafür angenehm organisch produziert wie ein sehr lebhafter Organismus Energien und Impulse kommuniziert.
Ähnlich wie die oben erwähnten Norweger ist die Kombination aus moderner alternativ-progressiver Dynamik im steten Wechsel mit den progressiven Gimmicks der frühen Vertreter wie King Crimson oder Van der Graaf Generator gehörig erfrischend. ‚Carcosa‘ ist Piano only, Streicher und eine fast Kabarett/Theater-affine Kulisse. ‚The Audit‘ ist als zehnminütiger – sehr grau in grau driftender – Artrock-Schleicher genau mein Ding – zieht melancholisch seine Bahnen, steigt später mit ganz sanften Folk-Akkorden in die Stille weg, um dann nochmal den kleinen rauschhaften Moment zu kreieren (die Schweden Anekdoten lassen grüßen).
Dieses immer in Bewegung Sein, der ständige Pulswechsel lässt diese nicht mal 40 Minuten extrem kurzweilig, frisch und anregend klingen. Atmosphäre, verspielte dynamisch rockige Momente und vieles dazwischen von Ambient bis Jazz prickelt und fasziniert. Die zum Glück eher seltenen wilden Math-Rock Abfahrten, fast Punk-lastigen Vocals werden glücklicherweise nicht zum Störfaktor. Inspirierend, unberechenbar, mal dunkel und mal positiv verrückt lebt „The King In Yellow“ seinen ganz speziellen Film.
Bewertung: 11/15 Punkten
Besetzung:
• Jake Rose: vocals, Wurlitzer electric and acoustic pianos, guitars, vibraphone, Behringer Model D synthesizer, Ensoniq ESQ-1, Optigan, Weird Sound Generator, kalimba, „co-produced and mixed by“
• Connor Reilly: drums, percussion, timpani
• James Greene: five-string fretless bass, six-string fretted bass
Gastmusiker:
• Colin Doherty: „co-produced and mastered by“
with: Ellie Dick: cello on 2
• Thymme Jones (Cheer-Accident): vocals on 7
• Nicole McCabe: alto saxophone on 1 and 5
• Ben Spees (The Mercury Tree): vocals on 3
Surftipps:
• Bandcamp
Abbildungen: National Diet/Bandcamp