Feather Mountain - A Liminal Step

Feather Mountain - A Liminal Step (Eigenveröffentlichung; 28.11.2025)
Credit: Arie Fasant

Progressive Metal • Avantgarde • Alternative Rock • Experimental Rock
(39:13; Vinyl, Digital; Eigenveröffentlichung; 28.11.2025)
Ein Album wie ein Schritt hinaus aus der greifbaren Welt und hinein in einen seelischen Zwischenraum: „A Liminal Step“ markiert einen Übergangszustand, wie ihn Psychologie, Anthropologie und Kunst gleichermaßen kennen – nicht mehr ganz hier, noch nicht ganz dort. Genau dort beginnt der Weg der Dänen, wo Verletzlichkeit, Transformation und Selbsterkenntnis möglich werden. Die Tarot-Figur des Fool lässt grüßen: ein erster, waghalsiger Tritt ins Unbekannte.

Im Vergleich zu „To Exit A Maelstrom“ fällt sofort die stilistische Breite auf. Progressive Metal trifft auf elektronische Avantgarde, Ambient-Schattierungen auf fragile Vocals. Mikkel Lohmann klingt zugleich brüchiger und vielseitiger als je zuvor, was die emotionale Offenheit des Albums spiegelt. Paradoxerweise wirkt das Gesamtwerk gerade dadurch homogener: Die Vielfalt der Einflüsse bleibt stets Teil eines roten Fadens.

Mit dem überragenden ‚Prayer Wall‘ tasten sich Feather Mountain sogar in Post-Black-Metal-Gefilde vor,

während ‚Sigil‘ Alternative-Prog-Schwere im Fahrwasser von Tool und Karnivool kanalisiert.

‚Lantern‘ öffnet sich zunächst emotional und zurückgenommen, um später vulkanisch zu eruptieren. ‚Realignment‘ zeigt die elegante Seite der Band – entspannte Electronica, Experimentierfreude, fast schwebend.

‚The Grid‘ entpuppt sich als kleines Juwel, in dem akustisches Zupfen und ein gefühlvolles, typisch proggiges Gitarrensolo miteinander verschmelzen. Mit ‚Sunder‘ kommt am Ende noch einmal Härte ins Spiel: kehlige Growls, kantige Riffs, eine Rückkehr zu den Karnivool-/Tool-Anklängen des Openers. ‚The Hedonist‘ schielt instrumental Richtung Wheel, wirkt durch sein waberndes Sounddesign und Lohmanns Gesang aber, als käme er aus einem Paralleluniversum.

‚Rope Me In‘ erweitert das vokale Spektrum, ohne den erzählerischen Kern zu sprengen. Immer geht es um innere Dämonen, um das Gefühl, in der eigenen Realität gefangen zu sein, und um den Versuch, sich in gesellschaftlichen Strukturen zu orientieren, die oft eher einengen als tragen.

„A Liminal Step“ ist Feather Mountains mutigste Veröffentlichung bisher – ein bewusst gewagter Schritt in einen Grenzraum, in dem die Band nicht nur neue stilistische Wege findet, sondern auch emotional weiter wächst. Ein Album wie ein Riss im Vorhang der Wirklichkeit, durch den plötzlich viel mehr Licht fällt als erwartet.
Bewertung: 12/15 Punkten


Feather Mountain - A Liminal Step (Eigenveröffentlichung; 28.11.2025)
Besetzung:
Mikkel Lohmann – Gesang
Christoffer Warming – Gitarre
Andreas Dahl-Blumenberg – Bass & Gesang
Christian Dahl-Blumenberg – Schlagzeug

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Feather Mountain zur Verfügung gestellt.