Celestielle - Requiem (EP)

Celestielle - Requiem (EP) (Eigenveröffentlichung; 12.12.2025)
Black Metal • Doom Metal • Blackgaze
(24:27; CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 12.12.2025)
„Requiem“ beginnt und endet mit Glockenklängen – ein Rahmen, der sofort klarstellt, dass Celestielle hier kein bloßes Genreprodukt, sondern ein eigenes Ritual entwirft. Michelle Fallmannn, die sich hinter diesem alias verbirgt und bis auf das Schlagzeug quasi die gesamte Platte alleine eingespielt hat, setzt auf ausschließlich hellen Klargesang, der wie ein sakraler Gegenentwurf zu den schweren Gitarrenfundamenten wirkt, und schafft damit eine sehr eigene Form des „Witchgaze“, wie sie es selbst nennt. Wer Myrkur, Chelsea Wolfe oder Lingua Ignota schätzt, wird sich in dieser Mischung aus Härte, Mystik und liturgischer Aura sofort zuhause fühlen.

Der Opener ‚Crucify Him‘ trägt eine klagende Gitarrenmelodie, die unweigerlich Erinnerungen an My Dying Bride weckt, bevor schwere Riffs den Boden aufreißen. ‚Beyond The Cursed‘ schlägt dann die Brücke tiefer hinein in blackmetallische Gefilde mit mächtigem Drumsound von David Traut, . ‚Eye For An Eye“ wiederum badet in dichter Atmosphäre – mystisch, schleppend, doomig, ein Nebel aus düsteren Harmonien.

Mit ‚As Above, So Below‘ erscheint ein kurzes A-capella-Intermezzo, das wie eine rituelle Geisterbeschwörung wirkt, bevor ‚The Huntress‘ zu einem Highlight der EP anwächst: tieftraurige, schleppende Doom-Gitarren treffen auf Blastbeats, schwer wie Blei – und doch von Fallmanns klarem Gesang ständig ins Erhabene gehoben. Der Titeltrack fügt sich nahtlos ein, bevor ‚Rotting Flesh‘ den musikalischen Kreis schließt und das blackmetallische Terrain endgültig markiert. Da fehlt eigentlich nur noch das Gekeife.

„Requiem“ ist eine düstere, liturgische Miniatur, die Femininität, Wut und Mystik zu einer eigenen Klangsprache verschmilzt. Celestielle bewegt sich souverän zwischen Doom-Schwere und Black-Metal-Kälte – und erschafft dabei einen Sound, der wie ein Ritual wirkt, dessen Wirkung noch lange nachhallt.
Bewertung: 12/15 Punkten


Celestielle - Requiem (EP) (Eigenveröffentlichung; 12.12.2025)
Credit: Lina Welsch

Besetzung:
Michelle Fallmann – Guitars, Bass, Vocals

Gastmusiker:
David Traut – Drums
Moritz Malott – Violin
Marius Seidel – Flute & Acoustic Guitar
Marko Hack – Acoustic Guitar

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.